To chip or not to chip – Chippen oder vielleicht doch nicht?

Alles nur Einzelfälle?

Laufhündin, 5 Jahre alt

Soweit gesund, sie wurde vorschriftsgemäss gechippt. Sechs Monate später hat die Hündin «Anfälle», während denen sie sich nur noch im Kreis dreht. Die Verdachtsdiagnose Hirntumor, sie wurde ohne mögliche Therapie eingeschläfert. Zufall?

Appenzeller-Mischling, 13 Jahre alt

Die Hündin hatte ein leichtes Hüftproblem und ganz appenzellerisch war sie eine gute Wächterin und Treiberin. Eine Woche nach dem Chippen wurde ich gerufen, der Hund sitze nur noch im Badezimmer, zittere und habe vor allem Möglichem Angst. Mit List konnten wir ihr einen Maulkorb überziehen, um genauere Untersuchungen zu machen: ohne Befund. Wir konnten der Hündin mit Homöopathie noch fast ein Jahr lang in ganz akuten Momenten helfen. Ihre Angst (die sie vorher nicht hatte) ging nie mehr weg. Ihre Besitzerin entschied sich schliesslich, den Hund einzuschläfern. Alles nur ein Zufall? Kann sein.

Berger des Pyrénees, 14 Jahre alt

Sie ist seit Jahren gechippt und hatte auch nie Probleme damit. Im Frühling 2010 zeigte sie jedoch merkwürdige Symptome, die an Samira erinnerten. Mitten aus dem Schlaf bekam sie Angstzustände mit Zittern und Hecheln. Am Anfang vereinzelt, jedoch nach kurzer Zeit immer häufiger und stärker. Sie suchte intensiv die Nähe der Besitzer, sprang auf Sofas, alles Dinge, die sie vorher nie gemacht hatte.
Auch hier waren alle Untersuchungen im Nichts verlaufen. Die Besitzer wollten den Chip entfernen, was vom Tierarzt mit dem Kommentar, dass dies bestimmt nicht der Grund sei, auch gemacht wurde. Und siehe da, Chip weg, Symptome weg. Der Chip hatte eine Bruchstelle. Alles nur Zufall? Seither geht es ihr trotz hohem Alter sehr gut.

Nach all diesen Zufällen gibt es keinerlei Beweise, dass der Chip generell Probleme macht. Was mich jedoch nachdenklich stimmt, ist die Ignoranz gegenüber der Tatsache, dass es auch unvorhergesehene Probleme verursachen kann, wenn man «mir nichts dir nichts» einen derartigen Fremdkörper implantiert. Sei er noch so klein und steril, weder Mensch noch Tier hat in seinem biologischen oder physiologischen Programm einen Chip registriert. Wenn er was kann, dann tut er was. Und nur weil nichts bewiesen ist, heisst dies noch lange nicht das Gegenteil.

Kennzeichnung

Grundsätzlich bin ich nicht gegen eine Registrierung von Tier und Besitzer. Bisher gab es einige Möglichkeiten dafür. Von der Hundemarke, der Tätowierung, dem Heiss- und Kaltbrand (bei Pferden und Rindern) bis zum DNA-Nachweis. Es gibt Ringe (Vögel), Ohrmarken für Nutztiere und die Kennzeichnung über kleine Ohrenschnitte, die vor allem zur Kontrolle von verwilderten Strassentieren genutzt werden.

Im Vergleich dazu scheint der Chip praktisch und schmerzlos. Doch dieser «Unheimlichkeitsfaktor», von nicht sehen wo er ist und was er tut, ist ungemütlich.

Tiere, die zum Verzehr im Handel sind, werden nicht mit Mikrochip versehen. Für Strassentiere ist es sogar sinnlos, einen Chip einzusetzen. Eine kastrierte Katze mit fehlendem Ohrenspitzenteilchen wird kein zweites Mal gefangen und den Strapazen eines solchen Ereignisses ausgesetzt.

Dass wirklich weniger Hunde ausgesetzt werden, wage ich zu bezweifeln. Menschen, die so etwas tun, haben genug fragwürdige Energie, sich ihrer Tiere zu entledigen.

Dass es in Zukunft nicht nur für Hunde, sondern auch für andere Tiere obligatorisch wird, einen Chip zu implantieren, ist bedenklich. Anscheinend ist die heutige Gesellschaft durchaus bereit, nicht mehr selbstständig zu entscheiden, was gut und was schlecht ist. Einheitliche Bestimmungen sind gerade in der Schweiz sehr unpraktisch. Wie die geografischen Unterschiede in der Schweiz so sind auch die Gegebenheiten der Hundehaltung sehr verschieden.

Es ist offensichtlich, dass die Haltung von Hunden im Emmental eine andere ist als die in der Stadt Zürich. Hier im Emmental haben viele Hunde Arbeit. Sie bewachen den Hof, sie helfen mit den Weidetieren oder sie werden auf der Jagd eingesetzt. Geht hier ein Hund verloren, kennen ihn viele oder die Steuermarkennummer bringt den Vierbeiner wieder an den rechten Ort. Im Unterland gibt es andere Voraussetzungen.

Für Zuchthengste war bisher eine DNA-Registrierung Pflicht, was auch zu begrüssen ist. Doch seit einiger Zeit wird von Zuchtverbänden auch die Chipregistrierung verlangt. Doppelt gemoppelt ist wohl zuverlässiger, aber um Gottes Willen wofür genau? Die Antwort bekam ich vor der Körung einer meiner Hengste: «… was tun Sie denn, wenn er gestohlen wird?» Meine spontane Antwort lautete: «Er wird auch mit dem Chip gestohlen.»

Falls man gewillt ist, die Vision der Umsetzbarkeit flächendeckender Kontrollwerkzeuge mit grosser Datenkapazität nicht als Science fiction abzutun, müsste man den Blickwinkel etwas ändern und davon ausgehen, dass diese Technik schlussendlich für den Humanbereich gedacht ist: Zutrittskontrolle wie beim Katzentürchen, bargeldlose Einkäufe, Benutzung des öffentlichen Verkehrs (ohne Fahrkarte, Ein- und Ausstiegsorte werden registriert und vom Konto abgebucht) etc. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, müsste man die jetzigen Bestrebungen und Rechtfertigungsversuche bezüglich Chip-Obligatorium eigentlich als staatlich unterstützten, grossangelegten Tierversuch bezeichnen, der nach ein paar Jahren bestimmt diejenigen Daten liefern wird, die aus wissenschaftlicher Sicht problemlos auf die Humananwendung anwendbar sind – auch dies natürlich nur zum Wohle und zur Sicherheit der Menschen! Der Menschenhandel und die Kindsentführungen würden bereits an der nächsten Tankstelle vereitelt. Wir werden sicher und glücklich sein und lachen, wenn Grossmutter erzählt, sie habe mit zwölf Jahren im Supermarkt einen Silberlöffel gestohlen, da sie kein Geld hatte und ihrer Mutter zum Geburtstag etwas schenken wollte …

Fazit

Jede Kennzeichnung von Tieren hat Vor- und Nachteile, dazu gibt es nichts weiter zu sagen. Das Chippen beinhaltet viele ungeklärte Faktoren. Nach meiner Meinung ist einer der wichtigsten Punkte die diffusen Langzeitprobleme, die entstehen können. Diesbezüglich müssten die Verursacherstellen viel mehr Interesse zeigen, ernsthafte Studien zu betreiben, die vielleicht nicht nur Positives zeigen. Forschungen sind teuer, und stellen Sie sich vor, wie viel Geld bereits investiert wurde. Negative, nicht klar eingrenzbare Daten sind nicht willkommen. Es liegt an uns Tierbesitzern, aufmerksam zu sein und bei diffusen Verhaltens- oder Krankheitssymptomen entsprechend zu handeln. Lassen Sie sich nicht abwimmeln, wenn Sie ahnen, dass der Chip vielleicht irgendwo drückt. Als Tierbesitzer sind Sie für das Wohl Ihres Tieres verantwortlich, auch wenn es nicht immer bequem ist.

Hier können Sie den Artikel aus dem Magazin als PDF ansehen

geschrieben von:
Nadja Maurer

Nadja Maurer

Nadja Maurer ist seit 1998 praktizierende Tierhomöopathin SHS/BTS und seit 2003 als Referentin für Ethologie und Tierhomöopathie an verschiedenen Institutionen tätig; Schwerpunkt Pferd, Hund und Katze. Sie führt Einzelberatungen in Haltung und im Umgang mit Tieren durch. Zudem leitet sie Seminare zum Thema «Körperarbeit mit Gross- und Kleintieren». Seit ihrer Geburt ist sie umgeben von Katzen, Hunden und Pferden.

2 Kommentare zu “To chip or not to chip – Chippen oder vielleicht doch nicht?

  1. Cardo

    Wenn ich das von Ihnen geschriebene lese , macht es mich richtig traurig ! Eigentlich wollten wir uns einen Hund anschaffen aber sooo ? Es würde mir das Herz brechen meinen Hund so leiden zu sehen….

    Antworten
  2. Grit Berger

    Guten Tag, wir haben seit 2 Wochen einen Welpen, der nicht gesund wird und an einer furchtbaren Infektion im Ohr leidet. Es produziert Flüssigkeit, kein Mittel hilft. Die Schwellung rund um den Chip geht nicht weg. Danke für Ihren Beitrag, da wundert mich nichts mehr, aber wer kann uns helfen. Wir waren schon bei 3 Tierärzten, die alle dieses dumme eigentlich Wort benutzen…eigentlich sollte der Chip nichts machen…Schwachsinnn.

    Antworten

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