Hundebetreuung – Was tun, wenn Ihr Vierbeiner Sie nicht begleiten kann?

Geschäftsreise, Städtereise, Ferien, Arbeit, Weiterbildung, Krankheit, Unfall oder plötzlicher Todesfall. Für eine Fremdbetreuung gibt es viele Gründe. Um nicht unvorbereitet vor einer solchen Situation zu stehen, ist es wichtig, sich einige Gedanken zu machen und den Hund behutsam daran zu gewöhnen auch von anderen Personen betreut zu werden.

 

Heute gibt es ein breites Angebot, das von Privathaushalten bis zu Tierferienanlagen reicht. Bei so einer grossen Auswahl ist es nicht einfach, das Richtige zu finden. Gelingt das aber, ist es ähnlich wie Kinder ins Pfadi- oder Skilager zu schicken. Denn wie Kinder dort Kinder sein können, gehen Hunde heute in Hundepensionen, um ihre Zeit mit Artgenossen zu verbringen. Wie auch Sandra Hermann vom Hundehotel Snoopy berichtet: «Wir fühlen uns eher wie eine Hunde-Kita. Hier treffen sich Hunde und verbringen einen schönen Tag, während ihre Besitzer weg sind. Darüber freuen sich nicht nur die Hunde.» Es lohnt sich also, sich vorab einen Überblick über die Möglichkeiten zu verschaffen. Dann können Sie im Fall der Fälle Ihren Hund entspannt in die Ferien schicken.

 

Das Finden

Grundsätzlich sind Empfehlungen eine gute Möglichkeit. Spaziergangs-Bekanntschaften oder Freunde mit Hund stehen oft vor demselben Problem und haben bestimmt schon die eine oder andere Erfahrung gesammelt. Auch deshalb beherbergt so manches Hundehotel weit gereiste Gäste, denn die Besitzer vertrauen ihren vierbeinigen Freund nur den besten Adressen an. Viele Angebote findet man auch über das Internet, obwohl es hier nicht ganz einfach ist, Pensionen aus der Umgebung zu finden. Hingegen kann man sich gut einen Überblick verschaffen, was allgemein in Hundepensionen angeboten wird und welche Preise einen erwarten. Eine gute Möglichkeit, um sich etwas Übersicht zu verschaffen, bieten die Links www.hundepension.ch und www.hunde-profis.ch. Hier finden sich Auflistungen verschiedener Pflegeplätze, die man nach Name, Kanton, Postleitzahl oder Ort sortieren und sich so rasch über die jeweiligen Angebote informieren kann. Es lohnt auch, die Regionalzeitung zu durchforsten, die Kleinanzeigen in Fachzeitschriften oder deren Webseiten. Es bietet sich auch an, beim eigenen Tierarzt, Hundetrainer oder -coiffeur nachzufragen. Sie sind in der Regel bestens über das lokale Angebot informiert und können auch passende Plätze empfehlen.

 

Die Varianten

Es gibt Ferienplätze, die Hunde grundsätzlich nur im Rudel halten. Häufig wohnen diese Hunde dann auch im Haus des Betreuers oder in grossen Anlagen. Hier werden in der Regel nur sehr soziale Hunde angenommen, da sich grundsätzlich jeder mit jedem verstehen soll. Bei solchen Angeboten ist zu bedenken, dass es nicht jederhunds Sache ist, mit jedem immer und überall gut Kirschen zu essen. Es gibt auch Privatbetreuungen, die die Anzahl der Pflegehunde auf einen bis drei Hunde begrenzen, um den Hunden nicht zu viel Unruhe zuzumuten. Solche Services bieten sich besonders für Vierbeiner an, die das Alleinsein schlecht vertragen oder in anderer Hinsicht spezieller Pflege bedürfen. In diesem Bereich gibt es zum Teil sehr erfahrene Hundeführer, die auch schwierige Hunde in Pflege nehmen.

Um eine Privatbetreuung in der Umgebung zu finden, bietet sich die Website www.petsitting24.ch an. Die Registrierung ist zwar kostenlos, doch um die Dienste nutzen zu können, bezahlt man Gebühren. Ist man registriert, kann man sein Jobangebot erstellen, die verschiedenen Profile der Hundebetreuer anschauen und mit passenden Anbietern Kontakt aufnehmen. Aus den Profilen ist in der Regel ersichtlich, was der Dogsitter für Erfahrungen hat und ob er Tages-, Wochenend- oder Ferienbetreuungen anbietet.

Neben der Privatbetreuung bieten verschiedene Pensionen von unterschiedlichen Grössen die Unterbringung von Hunden an. Spätestens ab einer Kapazität von 19 Hunden werden diese von diplomierten Tierpflegern betreut. Das hat den Vorteil, dass das Personal grosse Kenntnisse im Umgang mit Tieren hat und sich auch mit der Pflege und medizinischen Problemen auskennt. In den grösseren Anlagen werden die Hunde entweder einzeln oder in kleinen Gruppen untergebracht, wobei auf die Bedürfnisse der einzelnen Hunde Rücksicht genommen werden sollte. Ältere und ruhigere Hunde finden es in der Regel weniger gemütlich mit übermütigen Teenagern. Und die wiederum finden Omas und Opas zum Gähnen. Es gibt Tierpensionen, in denen die Zwinger direkt mit kleinen Aussenplätzen verbunden sind, damit die Hunde während der wärmeren Jahreszeit ein- und ausgehen können. In anderen Anlagen werden die Hunde drinnen in Zwingern gehalten. Schön ist es, wenn die Hunde mehrmals täglich auf Spielwiesen gebracht werden, auf denen sie sich alleine oder je nach Verträglichkeit in kleinen Gruppen nach Lust und Laune bewegen können. Eine spezielle Form der Unterbringung bietet der A3-Tierferienplatz von Franz Scherer. Hier wohnen die Hunde mit Familienanschluss, in Gruppen oder auch alleine auf gekiesten Plätzen, die etwa eine Fläche von 100 Quadratmetern haben. Auf jedem Platz befindet sich ein grosszügiges, beheiztes Hundehaus mit Bett, eine immer zugängliche Wiese und eine grössere Spielwiese, die bei schlechtem Wetter abgetrennt werden kann. Hier können die Hunde selber entscheiden, wie viel Zeit sie drinnen oder draussen verbringen wollen.

 

Die Entscheidung

So viele Möglichkeiten, so viele verschiedene Hunde. Wer seinen Hund in die Betreuung bringt, übergibt damit nicht nur Verantwortung, sondern auch Geld. Etwa 25 bis 50 Franken bezahlt man für einen Tag. Also möchte man sicher sein, dass man für seinen Hund oder vielleicht eine ganze Hundegruppe den bestmöglichen Platz findet. Es empfiehlt sich, nachdem man die Auswahl eingegrenzt hat, mit den Anbietern Kontakt aufzunehmen und ein Kennenlernen-Treffen auszumachen, zu dem man seinen Hund mitnimmt, denn wahrscheinlich darf man ihn vor Ort aus dem Auto lassen und kann so gleich seine ersten Reaktionen beobachten. Auch wird die Tierheimleitung in der Regel gerne einen Blick auf den möglichen Gast werfen, um abzuschätzen, ob und wie sich der Hund hier wohlfühlen wird. Es ist jedoch ratsam, den Hund erst aus dem Auto zu holen, wenn man das Okay der Leitung hat. Denn vielleicht werden gerade Hunde geholt oder gebracht, kommen von einer Gassirunde zurück oder sind hinter dem Zaun am Spielen. Und wenn gerade eine übermütige Truppe hinter dem Zaun für Aufruhr sorgt, wird die Ankunft eines Neulings zu einem weit hörbaren Konzert führen. Die meisten Tierpensionen sind aufgrund der Lärmschutzgesetze auf Ruhe bedacht, abgesehen davon, dass zu viel Aufruhr den Pensionsgästen nicht guttut und der eigene Hund sich kaum wohlfühlt, wenn er gleich von einer ganzen Meute angeblafft wird. Darf Ihr Hund nun die Umgebung erkunden, können Sie an seinen ersten Reaktionen (fröhlich, neugierig, ängstlich, unsicher) in der Regel gut ablesen, ob ihm sein erster Eindruck gefällt.

Auch wird die Tierheimleitung mit dem Hund Kontakt aufnehmen. Beobachten Sie, wie das vor sich geht. Wirkt der Hund vertrauensvoll, weiss die Heimtierleitung, was sie tut? Eine ruhige Kontaktaufnahme, die dem Hund Zeit gibt und ihn sich zurechtfinden lässt, sind gute Indikatoren. Vielleicht darf der Hund kurz mit hinein in die Anlage. Wenn nicht, ist es womöglich, um keine unnötige Unruhe zu verursachen. Fragen Sie nach: Wer nichts zu verbergen hat, gibt gerne Auskunft. Nach dieser ersten Begegnung wird der Hund wieder ins Auto gebracht und man begibt sich selbst mit der Tierheimleitung auf Erkundungstour. Je mehr Ihnen gezeigt wird, umso besser. Sie können und sollen jetzt auch Fragen stellen. Ist Ihr Hund unsicher oder ein Draufgänger, fragen Sie nach, wie so etwas gehandhabt wird. Ist Ihr Hund besonders klein oder gross, was gibt es hier für Lösungen? Was ist, wenn die Hündin läufig wird? Nicht alle Pensionen tolerieren intakte Hundedamen. Fragen Sie, wie die Hunde gehalten werden. Wie ist der Tagesablauf? Wie werden die Hunde überwacht? Wie viel Betreuungspersonal ist vorhanden und wie sind die Leute qualifiziert? (Ausgebildete Tierpfleger, Lehrlinge oder Hundetrainer sollten Ihre erste Wahl sein.) Ist das Personal (falls vorhanden) vor Ort, können Sie es bei der Arbeit beobachten? Gibt es Spaziergänge oder kommen die Hunde regelmässig in einen grünen Auslauf? Was für Vorkehrungen werden im Fall einer Verletzung getroffen? Wie werden allfällige Hundegruppen zusammengestellt? Beobachten Sie die Hunde, die Sie am Ort antreffen. Sind sie ruhig, zufrieden und sauber? Wie sehen die Anlagen aus? Sie sollten nicht riechen und gepflegt sein. Haben die Hunde ausreichend Platz? Können sie sich ausreichend bewegen? Können sie einander ausweichen? Haben sie Rückzugmöglichkeiten? Bequeme, warme und windgeschützte Liegeplätze? Gibt es Versäuberungsmöglichkeiten? Sind die Zäune ausbruchsicher und hoch genug, dass Hunde nicht darüberklettern können? Auch ist es für die Hunde in der Regel angenehm, wenn die Zäune mindestens teilweise mit einem Sichtschutz versehen sind. So können sie sich draussen aufhalten, ohne ständig den Blicken von Artgenossen ausgesetzt zu sein. Es gibt auch Tierpensionen, die gegen eine Gebühr Bring- und Holservice anbieten. Falls Sie auf diesen Service angewiesen sind und Ihre Wunschpension diese Möglichkeit nicht öffentlich anbietet, fragen Sie trotzdem nach. Sollte es Ihnen verweigert werden, die Hundepension Ihrer Wahl zu besichtigen, ist das kein gutes Zeichen – lassen Sie die Finger davon.

 

Das Eingewöhnen

Bevor Sie Ihren Hund gleich drei Wochen in die Ferien bringen, ist es ideal, wenn er erst einmal für einen Tagesaufenthalt einchecken kann. So können die Betreuer den Hund kennenlernen und der Hund lernt vielleicht, dass es sich hier nur um eine temporäre Lösung handelt. Bei älteren Hunden, die noch nie in einer Pension waren, oder bei unsicheren Persönlichkeiten kann es sich lohnen, dieses Prozedere zu wiederholen, damit der Hund sich langsam eingewöhnen kann. Auch für Hunde aus dem Tierschutz, die Hundeheime oft besser kennen als ihnen lieb ist, sollte man die Eingewöhnung behutsam angehen. Denn oft sind diese Hunde durch das Erlebte weniger belastbar.

Es gibt auch Vierbeiner, die sich gar nicht an einen Aufenthalt in Pensionen gewöhnen können und das auch lauthals kundtun. Solche Vierbeiner werden nicht überall wieder aufgenommen, denn sie bringen viel Unruhe und sind auch nicht glücklich. In diesen Fällen empfiehlt es sich, sich nach einer passenden Privatbetreuung umzusehen und auch dort den Hund langsam an die neue Situation zu gewöhnen.

Beginnen Sie frühzeitig mit der Planung, denn gute Pensionen sind oft Monate im Voraus ausgebucht. Auch Impfungen gehören zur Vorbereitung. In der Regel bedeutet dies, dass die üblichen Impfungen und oft eine zusätzliche Zwingerhustenimpfung gemacht werden müssen. Doch bevor Sie Ihren Hund impfen lassen, fragen Sie konkret nach, was verlangt wird.
Ist er glücklich?

In der Regel fühlen sich die Hunde pudelwohl. Die Besitzerin einer älteren Hündin erklärt, für ihre Hündin sei die Hundepension ein regelrechter Jungbrunnen. Tatsächlich scheinen vielen Hunden die Ruhe und Routine, das tiergerechte Verhalten des Personals und der rege Kontakt mit Artgenossen gutzutun. «Oft geht der Kontakt zwischen den Hunden im Ferienheim auch viel besser als draussen», berichtet Franz Scherer. Denn Ressourcen gibt es keine zu verteidigen und die Besitzer können auch nicht für Aufregung sorgen. Was übrigens auch ein Grund ist, weshalb die meisten Pensionen die Hunde an den Eingang bringen und auch dort abholen. Man will Unruhe und Eifersucht möglichst verhindern. «Ausserdem», erklärt Sandra Hermann, «mögen es Hunde lieber, wenn sie weggehen, als wenn sie zurückgelassen werden. Auch gefällt es vielen Hunden so gut, dass sie aus dem Auto vor die Eingangstüre springen. Es gibt auch welche, die gar nicht im Eingang haltmachen wollen, sondern direkt zum Zwinger ziehen.» Und auch Scherer kann solche Geschichten erzählen: «Einmal hatten wir sogar einen Hund, der wollte nicht mehr weg von hier. Er hat seinen Besitzer nur kurz begrüsst und dann gleich wieder kehrtgemacht, um bei den anderen Hunden mitzutun.» Solche Reaktionen sind zwar für die Besitzer hart, denn er hat seinen Hund unter Umständen zwei Wochen vermisst, zeigt aber, dass es dem Hund in derselben Zeit prächtig ergangen ist. Es gibt auch Pensionen, die es Ihnen per Videoüberwachung ermöglichen, wann immer Sie wollen, einen Blick auf Ihren Liebling zu werfen. Wenn das bei der von Ihnen ausgewählten Unterkunft nicht der Fall sein sollte, gibt es trotzdem Möglichkeiten die Verfassung Ihres Hundes einzuschätzen. Achten Sie darauf, wie er beim Abholen reagiert. Freut er sich Sie zu sehen, entspannt sich aber rasch wieder, ist das ein gutes Zeichen.

Ist Ihr Hund sehr überdreht und völlig aus dem Häuschen, dass Sie ihn endlich «retten», kann das ein Zeichen dafür sein, dass ihn der Aufenthalt gestresst hat. Aber auch hier ist wieder zu bedenken: war der Tag für Ihren Hund sehr ungewohnt, ist er einfach eine sehr extrovertierte Persönlichkeit oder haben Sie ihn allenfalls aus dem Tierschutz, dann können Sie dieser Reaktion beim ersten Mal nicht allzu grosse Bedeutung beimessen. Erst wenn sich sein Verhalten auch nach mehrmaligen Testbesuchen nicht bessert oder gar verschlimmert, sollte man sich über eine andere Unterbringung Gedanken machen. Vielleicht ist er bei einer anderen Person, unter anderen Haltungsbedingungen, mit mehr oder weniger Artgenossen besser aufgehoben.

Wenn Sie nun die richtige Pension gefunden und den Probetag gut überstanden haben, sollten Sie Ihrem Hund einen ruhigen Abend und einen schönen Tag mit viel Schlaf und entspannenden Spaziergängen gönnen, denn Ihr Hund hat in seinen Hundeferien viel erlebt, und das muss erst einmal verarbeitet werden.

 

Rechtliches im Überblick

  • Für die ausführliche Rechtslage kann die Seite http://www.tierimrecht.org/de/tierkeinesache/schweiz/pensionstiere.php besucht oder direkt Kontakt mit der Stiftung Tier im Recht aufgenommen werden.
  • Nach Art. 487ff. OR trägt der Gastwirt grundsätzlich die zivilrechtliche Verantwortung für jede Schädigung des aufgenommenen Tieres, dessen Entlaufen oder Entwendung, wobei es sich um eine vom Verschulden unabhängige, betragsmässig limitierte Kausalhaftung handelt. Für durch die Verwahrung des Tieres entstandene Schäden haftet hingegen dessen Eigentümer, sofern er nicht nachzuweisen vermag, dass ihn selber kein Verschulden trifft (Art. 473 Abs. 2 OR). Bei der Übergabe des Tieres ist er darum verpflichtet, auf allfällige Gefahren, wie beispielsweise die Bissigkeit eines Hundes, hinzuweisen.
  • Neben der sicheren Aufbewahrung bietet die Obdach gewährende Person dem Halter aber noch weitere Leistungen, wie etwa Fütterung, Pflege, Auslauf, tierärztliche und sonstige Betreuung des Tieres. Art. 394ff. OR.

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geschrieben von:
Anna Hitz

Anna Hitz

Anna Hitz ist mit Irish Terriern aufgewachsen und beteiligt sich seit vielen Jahren an der Aufzucht von Welpen. Seit 1998 arbeitet sie in einer Hippotherapiepraxis. Ihre zweite Leidenschaft gilt der Sprache und führte zum Lizenziat in Germanistik. Heute besitzt sie einen Irish Terrier und ein italienisches Windspiel. Kontinuierlich bildet sie sich zum Thema Hund weiter und pflegt Erfahrungsaustausch mit Forschern, Hundeschulen und Züchtern.

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