Burn-out: Wenn der Hund am Ende ist

Der Wunsch nach einem ausgelasteten Hund kann übers Ziel hinausschiessen. Das tägliche Beschäftigungsprogramm unserer Hunde ist häufig enger gesteckt als das unsere. Weniger menschliche Einmischung, dafür mehr Selbstbestimmung könnten den Hund vor dem Burn-out bewahren.

 

Der Begriff «Burn-out» stammt aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum und bedeutet wörtlich «ausbrennen» oder «ausgebrannt sein». Zum ersten Mal war dies während der 1970er-Jahre in den USA bei in Sozialberufen tätigen Personen festgestellt worden. Als Konsequenz ihrer täglich stressigen Arbeit fühlten sich Betroffene körperlich wie seelisch chronisch erschöpft, verloren an Einfühlungsvermögen und Leistungsfähigkeit. Es fehlte ihnen an Energie und Motivation; sie hatten das Gefühl «ausgebrannt» zu sein. Fast ein halbes Jahrhundert dauerte es, bis das sogenannte Burn-out-Syndrom von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in diesem Jahr als Krankheit anerkannt wurde.

 

Mittlerweile scheint auch der beste Freund des Menschen in Mitleidenschaft gezogen zu sein, will doch der moderne und verantwortungsbewusste Hundebesitzer für seinen Hund nur das Beste: Puppy-Training, Sozialisierungsprogramm, Agility-Kurs und Trüffelsuche sind oftmals ebenso Pflichtprogramm wie den Vierbeiner überall mit hinzunehmen und natürlich jeden Tag bei Wind und Wetter mit ihm idealerweise drei Stunden spazieren zu gehen. Kann Arbeit, oder in diesem Fall besser Action ohne Ende, auch bei Hunden zu chronischem Stress und letztlich einem Burn-out führen? «Ja», sagt Martina Braun, seit 20 Jahren als diplomierte Tierpsychologin und Verhaltenstherapeutin für Hunde tätig. Die Baselerin weiss aus Erfahrung, dass viele Hunde zu viele Beschäftigungs- und Sportarten gleichzeitig machen. Sie ist sich sicher: «Burn-out gibt es auch bei Hunden. Er entsteht durch chronische Übermüdung oder Überbeanspruchung, denen nicht erkannte Ermüdungserscheinungen und Depression vorausgehen.»

 

Ganz so weit in seiner Schlussfolgerung möchte der amerikanische Ethologe und Autor Marc Bekoff nicht gehen. «Ich bin mir nicht sicher, ob Hunde wie Menschen ein Burn-out haben und ihr Leben aufgeben», sagt der vielfach ausgezeichnete Hundeexperte. «Ihr Leben kann allerdings sehr stressig sein.» Vielen Hundehaltern sei nicht bewusst, dass zahlreiche Haushunde stark gestresst seien. «Ein Hundeleben in der westlichen Gesellschaft ist von unterschiedlichen Formen und Graden an Stress geprägt. Ständig sind die Vierbeiner gezwungen, sich an die vom Menschen geprägte und dominierte Welt anzupassen.» So lernen Hunde ihr Geschäft nicht da zu verrichten, wo sie es für passend erachten. «Um sich zu erleichtern, müssen Hunde zuerst die Aufmerksamkeit ihres Menschen erlangen und um Erlaubnis fragen, das Haus verlassen zu können.» Draussen ist die Situation nicht besser. «Dort schränken wir Hunde entweder durch Zäune oder mit einer Leine ein», so Bekoff. Beim Futter und Spiel sei es ebenso. «Hunde fressen, was und wann wir Menschen wollen. Entscheiden sie selbst darüber, gibt es Ärger.» Ihr Spielzeug ist ebenfalls vom Menschen ausgesucht. Sollten sie mal ein Möbelstück oder einen Schuh als Spielzeug erachten, gibt es Krach. «Selbst wann und mit welchem Artgenossen sie spielen dürfen, ist vom menschlichen Zeitplan und Einverständnis abhängig», zeichnet der Ethologe das durch den Menschen bedingt stressige Hundeleben auf. (…)

 

Den vollständigen Beitrag können Sie in der Ausgabe 9/19 lesen.

geschrieben von:
Röttgen Regina

Röttgen Regina

Geduld gegenüber Tieren ist bei Regina Röttgen grenzenlos. Nach abgeschlossenem Philosophie- und Anglistikstudium hat sie, nach einer diagnostischen Odyssee für ihren Siamkater, die Ausbildung zur Tierheilpraktikerin gemacht und eine türkische Heimtierzeitschrift verlegt. Sie lebt im Südwesten der Türkei mit ihrem türkischen Mann, zwei Söhnen, zwei Katzen, einem Rudel Hunde und Hühnern ausserhalb eines kleinen Dorfes. Dort arbeitet sie als freiberufliche Autorin und Redakteurin.

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