Zecken – ungeliebte Blutsauger

Mit steigenden Temperaturen und wärmenden Sonnenstrahlen kündigt sich nicht nur der Frühling an. Auch unerwünschte Plagegeister wie Zecken beschäftigen nun die Tierhalter wieder einige Monate lang.

Die Zecke wird auch Holzbock genannt, sie gehört zu den Spinnentieren aus der Ordnung der Milben und saugt das Blut ihres Wirtstieres. Wenn die Parasiten nicht gerade zu Hunderten über ihr Opfer herfallen, was in der Schweiz eher unwahrscheinlich ist, wäre das alleine kein Problem. Die Gefahr besteht in der Möglichkeit der Übertragung von Krankheiten, die im schlechtesten Fall auch zum Tod des Wirtstieres führen können.

 

Lebenszyklus

Die Zecke durchläuft mehrere Entwicklungsstadien. Im Sommer, üblicherweise im Juli und August, schlüpfen die Larven. Die sechsbeinigen Larven können bereits durch ihre Mutter mit Krankheitserregern infiziert sein. Nur die Larven, die ein Wirtstier finden, können sich zur achtbeinigen Nymphe weiterentwickeln. Und auch diese benötigt wiederum eine Blutmahlzeit, um zur adulten Zecke zu werden. Larven und Nymphen holen sich in der Regel ihre Blutmahlzeit bei kleinen Säugetieren wie Mäusen und Ratten. Adulte Zecken bevorzugen grössere Säugetiere und machen auch vor dem Menschen nicht halt. Zecken können problemlos ein Jahr lang ohne Blutmahlzeit auskommen.

Eine mit Blut gefüllte, weibliche Zecke produziert eine einzelne grosse Eiermenge. Das können je nach Zeckenart zwischen 1000 und 18 000 Eier sein. Zecken können mehrere Jahre alt werden. Sie schützen sich im Winter vor Kälte, indem sie sich beispielweise in Mäusenester verkriechen. So können sie wochenlang Temperaturen bis zu minus 15 Grad überleben. Doch Zecken sind auch im Winter aktiv: Sobald die Temperatur auf sieben Grad und mehr steigt, besteht die Gefahr eines Zeckenbisses.

 

Der Angriff

Zecken warten nicht nur am Waldrand und an Wiesenränder auf ihr Opfer, sondern auch im Garten. Sie fallen oder springen nicht wie oft angenommen von Bäumen, sondern halten sich an einem Grashalm oder niedrigem Gebüsch fest und lassen sich fallen, wenn ein Säugetier vorbeigeht. Der Stich der Zecke ist schmerzlos. Oft wird der Parasit nur zufällig entdeckt. Die Blutmahlzeit kann einige Stunden bis mehrere Tage dauern. Ist die Zecke vollgesogen, lässt sie sich fallen.

 

Richtiges Entfernen

Die Zecken können während der Blutmahlzeit mittels ihres Speichels virale und bakterielle Krankheitserreger übertragen. Je schneller das Tierchen beseitigt wird, desto geringer ist die Infektionsgefahr. Der Stechapparat der Zecke hat Widerhaken, dadurch ist sie nicht so leicht zu entfernen. Verwenden Sie am besten eine qualitativ gute Zeckenzange. Einfach zu handhaben sind solche, die das Tierchen wie eine Zange anpacken, sodass Sie diese nur richtig platzieren müssen. Packen Sie die Zecke möglichst weit vorne am Kopf ‒ nie am Bauch, sonst besteht die Gefahr, den Parasiten zu zerreissen, sodass Kopf und Stechapparat in der Haut zurückbleiben ‒ und ziehen Sie mit einer leichten Drehbewegung den Parasiten aus der Haut.

 

Bleibt doch einmal der Kopf der Zecke in der Haut stecken, ist das kein Grund zur Panik. Entfernen Sie so viel wie möglich und behalten Sie die Stelle im Auge. In der Regel schafft es der Körper ohne Probleme, mit der Zeit die Überreste abzustossen. Sollte sich die Stelle entzünden, suchen Sie besser einen Arzt beziehungsweise im Fall des Hundes einen Tierarzt auf.

Entsorgen Sie die Zecke bitte weder in der Toilette noch werfen Sie diese einfach so in den Garten. Zecken sind zäh; sie überleben im Wasser und im Garten werden sie sich bei nächster Gelegenheit wieder auf ein Säugetier fallen lassen. Zermahlen Sie die Zecke zwischen zwei Steinen, verbrennen Sie diese in einem Aschenbecher oder zerdrücken Sie kleine Exemplare, indem Sie diese auf einem Klebstreifen fixieren und den Streifen übereinander kleben. So kann das Tierchen auch im Hausmüll problemlos entsorgt werden. Saugende Zecken sollten niemals mit Öl oder anderen Substanzen beträufelt werden. Die Gefahr, dass der Parasit unter einem solchen Stress noch mehr potenziell krankheitserregenden Speichel produziert und in die Haut abgibt, ist gross.

 

Krankheitsbringer

Die in Europa vorkommenden Zecken übertragen auf den Menschen hauptsächlich die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die Borreliose (Lyme-Krankheit). Gegen Borreliose gibt es zurzeit noch keine Impfung, allerdings kann diese bakterielle Infektion mit Antibiotika relativ gut behandelt werden. Wurden Sie von einer Zecke gestochen, beobachten Sie die Stichstelle. Sollte sich mit der Zeit eine kreisförmige Errötung bilden, suchen Sie umgehend einen Arzt auf. Ob eine Impfung gegen FSME für Sie sinnvoll ist, klären Sie am besten mit Ihrem Arzt oder Naturheilpraktiker ab.

 

Suchen Sie sich während der Zeckenzeit auf jeden Fall selbst täglich ab. Tragen Sie bei Ausflügen in die Natur lange Hosen und schützen Sie sich allenfalls mit einem Antizeckenspray für Menschen. Bedenken Sie auch, dass beim Kuscheln mit dem Hund eine Zecke vom Hund auf Sie abwandern kann. Auch der Hund kann an Borreliose und in seltenen Fällen an FSME erkranken, doch sind Vierbeiner weniger anfällig als Menschen und ihr Immunsystem kann sich in der Regel besser gegen eventuelle Krankheitserreger schützen. Bei einer FSME beim Hund sind neben Fieber Symptome mit neurologischen Ausfällen wie Lähmungen und Verhaltensveränderungen möglich, da das Gehirn des Vierbeiners betroffen ist.

 

Nach heutigen Erkenntnissen gilt die Borreliose beim Hund inzwischen als überdiagnostiziert, da man herausgefunden hat, dass im Blut der meisten Hunde, die regelmässig von Zecken gestochen werden beziehungsweise in zeckenreichen Regionen leben, Antikörper gegen Borrelien nachweisbar sind, ohne dass die Tiere jemals Krankheitsanzeichen entwickeln. (Lesen Sie dazu auch auf www.hundemagazin.ch den Beitrag «Borreliose – eine schwer zu greifende Erkrankung»). Die Symptome einer Erkrankung können sehr unspezifisch sein und von Abgeschlagenheit über Gelenkbeschwerden bis zu Herzproblemen reichen. Es gibt gegen Borreliose beim Hund eine Impfung, die jedoch selbst unter Fachleuten als fragwürdig gilt.

 

Babesiose, auch Hundemalaria genannt, und Ehrlichiose sind ebenfalls Krankheiten, die von Zecken auf Hunde übertragen werden können. Babesien sind Einzeller, die die roten Blutkörperchen des Hundes zerstören. Dadurch kommt es bei Hunden mit Babesiose zu einer fortschreitenden Blutarmut (Anämie). Mögliche Symptome der Hundemalaria sind Fieber, Abgeschlagenheit und Appetitmangel. Die Erkrankung verläuft je nach Erreger und Konstitution des Hundes unterschiedlich und kann tödlich ausgehen. Während die Babesiose bis in die 1970er-Jahre vor allem eine Reisekrankheit war, kommt sie durch die Ausdehnung des Verbreitungsgebiets der Auwaldzecke mittlerweile auch nördlich der Alpen vor.

 

Ehrlichiose ist in den Tropen und Subtropen sowie im Mittelmeerraum endemisch, sodass Hunde vor allem bei Ferienreisen in diese Regionen gefährdet sind. Mehr und mehr sieht man aber auch Tiere mit Symptomen einer Ehrlichiose, die noch nie im Ausland waren. Bei diesen Tieren können dann häufig Antikörper gegen ihren Erreger, das Bakterium Anaplasma phagocytophilium nachgewiesen werden. Akut an Ehrlichose erkrankte Tiere können unter hohem Fieber, Apathie, Fressunlust, Lymphknotenschwellungen und Blutungen leiden. Chronisch an Ehrlichiose erkrankte Hunde magern ab und zeigen eine deutliche Blutungsneigung.

 

Prophylaxe

Suchen Sie Ihren Hund möglichst nach jedem Spaziergang auf Zecken ab. Um Ihren Vierbeiner zu schützen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Beim Tierarzt erhalten Sie spezielle Halsbänder, Spot-on-Produkte (Flüssigkeiten, die zwischen die Schulterblätter und auf den Rutenansatz geträufelt werden) oder Präparate zum Einnehmen. Das sind chemische Produkte, die nicht von jedem Hund gut vertragen werden und eine gewisse Belastung darstellen. Lassen Sie sich beraten, beobachten Sie Ihr Tier und hören Sie auf Ihr Bauchgefühl, ob Sie und vor allem Ihr Hund sich mit chemischen Substanzen wohlfühlen.

 

Der Markt bietet viele Alternativen wie zum Beispiel Kokosfett, diverse Sprays aus natürlichen Ölen, Bernsteinketten und Nahrungsergänzungsmittel an. Auch hier gilt, genau hinzuschauen: Nicht jeder Hund verträgt alles und nicht bei jedem Vierbeiner wird die gewünschte Wirkung erreicht. Abzuraten ist von sogenannten homöopathischen Antizeckenmitteln, da diese schwere Nebenwirkungen haben können. (Lesen Sie dazu auf www.hundemagazin.ch den Beitrag «Homöopathisches Antizeckenmittel ».)

Es ist nicht eindeutig geklärt, was die Zecken von einem Wirtstier abhält. Vermutlich ist es die Kombination des individuellen Körpergeruchs und des Zeckenschutzes. Darum kann das eine Mittel bei Nachbars Hund wunderbar wirken und beim eigenen Vierbeiner nicht den gewünschten Erfolg erzielen. Probieren Sie aus, was funktioniert, was Ihr Vierbeiner gut verträgt und welches Mittel für Sie einfach anwendbar ist. Bedenken Sie jedoch, dass weder chemische noch natürliche Präparate einen hundertprozentigen Schutz bieten. Daher sind das Absuchen des Hundes nach dem Spaziergang und allenfalls das Meiden von stark zeckenverseuchten Gebieten sinnvoll.

 

Text: Sandra Boucek, Fotos: fotolia.de

 

Weiter Informationen

www.hundemagazin.ch, unter «Ratgeber»/«Borreliose»

und «Homöopathisches Antizeckenmittel»

www.zecken.ch

www.zeckenliga.ch

Hier können Sie den Artikel aus dem Magazin als PDF ansehen

geschrieben von:
Sandra Boucek

Sandra Boucek

Seit 2009 leitet Sandra Boucek die Redaktion des «Schweizer Hunde Magazins ». Hunde begleiten sie seit ihrer Kindheit durchs Leben. Als ausgebildete Tierhomöopathin arbeitet sie nebenberuflich auf diesem Gebiet. Besonders interessant findet sie die Kombination von Homöopathie und Verhaltenstherapie bei Hunden. Stetige Weiterbildung ist für sie selbstverständlich. Sandra Boucek geniesst ihre Freizeit mit ihren beiden Hündinnen sowie ihren beiden Appaloosa-Pferden. www.tiere-und-homöopathie.ch

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