Wegweiser durch den Hundefutter-Dschungel 1/2

Wer sich heute einen Hund zulegt und entscheiden muss, welches Futter wohl das beste für ihn ist, steht vor einer schier unglaublichen Auswahl. Wir geben Ihnen ein paar Anhaltspunkte, wie Sie sich besser im Dschungel der Futtersorten zurechtfinden.

Text: Anja Marti-Jilg

Die einfachsten Lösungen, nämlich für den Rest des Lebens das Futter zu geben, das die Züchterin empfohlen hat, das zu kaufen, was beim Tierarzt im Regal steht, oder jenes, das der Grossverteiler anbietet und wo man auch sonst für die Familie einkauft, sind leider selten die besten.

Als Quellen standen mir neben unzähligen Erfahrungsberichten im Internet eigene Erfahrungen, diejenigen unseres Hundesitters, der seit 40 Jahren Hunde hält, hütet und füttert, und vieler anderer Hündeler zur Verfügung. Als wissenschaftliche Grundlage nahm ich den anerkannten Ratgeber «Ernährung des Hundes – Grundlagen, Fütterung, Diätetik» von Helmut Meyer und Jürgen Zentek in der 6. vollständig überarbeiteten Auflagen. Es gilt als Standardwerk über Hundefütterung in deutscher Sprache.

Kritische Hintergrundinformationen über die Zusammensetzung und Herkunft der Rohmaterialien von Tierfutter entnahm ich dem Buch «Katzen würden Mäuse kaufen» von Hans-Ulrich Grimm. Das brachte einiges Licht ins Dunkel, dennoch gilt eines ganz sicher: Jeder Hund ist anders, und was dem einen schmeckt und bekommt, wird vom nächsten Hund nicht angerührt oder schlecht vertragen. Sie werden in diesem Artikel keine Namen von Futtermarken finden. Der Grund dafür: Es gibt in jeder Kategorie mehrere Hersteller, auf die die jeweiligen Aussagen zutreffen. Vollständigkeit ist hier nicht zu erreichen, und eine Auswahl wäre willkürlich und damit unfair.

Trockenfutter, Nassfutter oder selber zubereiten?

Die meisten Hundebesitzer greifen heute ganz selbstverständlich zu Fertigfutter und hier wieder in den allermeisten Fällen zu Trockenfutter. Es ist gut zu lagern und zu dosieren und verspricht alles zu enthalten, was der Hund so braucht.

Doch auch in der Schweiz gibt es immer mehr Verfechter des sogenannten BARF (ursprüngliche Bedeutung: Bones and Raw Foods, im deutschen Sprachraum übersetzt mit biologisch artgerechtes Rohfutter). Die Barfer misstrauen zumeist jedem Fertigfutter und erklären, die einzig artgerechte Ernährung für Hunde müsse derjenigen von Wölfen so weit wie möglich ähneln und deshalb in erster Linie aus rohem Fleisch, Knochen und nur wenig pflanzlichen Bestandteilen bestehen.

Das leuchtet durchaus ein. Schliesslich können Wölfe kein Getreide ernten und wir Menschen ernähren uns doch auch in den meisten Fällen nicht von Tütensuppen oder Dosenravioli, die wir mit Multivitamintabletten ergänzen – so die naheliegende Analogie zum Hundefertigfutter.

Tatsache ist aber auch, dass weltweit Millionen von Hunden mit Fertigfutter ernährt werden, dieses gerne fressen und in den allermeisten Fällen offenbar gut vertragen. Viele Hunde werden mit dieser Ernährung sehr alt. Das Barfen erfordert zudem von den Hundebesitzern, sich etwas näher mit den Ernährungsbedürfnissen des Hundes auseinanderzusetzen, um die Rationen bedarfsgerecht zusammenzustellen. Wer nur begrenzten Kühl- oder Tiefkühlraum zur Verfügung hat, den Hund zumindest hin und wieder fremdbetreuen lassen muss oder mit ihm auf Reisen geht, stösst hier schnell an Grenzen der Praktikabilität. Bei grossen oder gar mehreren grossen Hunden werden der Kauf und die Lagerung der ziemlich erheblichen Mengen Frischfleisch zum finanziellen und logistischen Problem.

Da aller Wahrscheinlichkeit nach nur wenige Leser diesen Weg gehen wollen, möchte ich hier alle an BARF Interessierten auf die entsprechenden Internet-Foren und die mittlerweile umfangreiche Fachliteratur verweisen. Als Standardwerk gilt das dünne Büchlein von Swanie Simon: «BARF. Biologisch Artgerechtes Rohes Futter.»

Ich will mich hier darauf beschränken, Anhaltspunkte zu liefern, anhand deren ein gutes Fertigfutter von weniger geeigneten unterschieden werden kann. Ob man lieber Nassfutter oder Trockenfutter füttert, wird auch damit zusammenhängen, ob man sich mit grösseren Lagern an erst vollen, dann leeren Dosen anfreunden kann, und was man bereit ist auszugeben, denn Nassfutter, vor allem solches in guter Qualität, ist deutlich teurer als Trockenfutter. Generell kann nicht gesagt werden, Nassfutter sei besser als Trockenfutter oder umgekehrt. Hunde mögen meist das Nassfutter lieber, es gibt solche, die, wenn sie einmal Dosenfutter erhalten haben, das Trockenfutter beharrlich stehen lassen. Hier gilt allerdings: Kein Hund verhungert freiwillig und irgendwann wird auch das weniger geliebte Trockenfutter wieder gefressen. Die Ratschläge und Hinweise in diesem Artikel beziehen sich übrigens auf mehr oder weniger gesunde Hunde. Wer einen Hund hat, der an einer Nahrungsmittelallergie oder Unverträglichkeit leidet, soll sich bitte an einen Spezialisten, sei es ein Tierarzt oder ein Tierheilpraktiker, wenden.

Pelletiert oder extrudiert

Fast alle Trockenfutter, die heutzutage auf dem Markt sind, werden im Extrusionsverfahren hergestellt. Hierbei wird die Futtermasse mit hohem Druck und kurzzeitig hohen Temperaturen durch eine Presse gedrückt und in Form gebracht, Anschliessend werden verlorengegangene Vitamine sowie Fette aufgespritzt.

Pelletiertes Trockenfutter erinnert rein äusserlich mehr an Kaninchenfutter oder Pferdeleckerli und wird meist als «kalt gepresstes» Futter verkauft. Die Herstellung der Pellets erfolgt tatsächlich unter niedrigeren Temperaturen als beim Pelletieren, allerdings müssen die Bestandteile vorher erheblich höher erhitzt werden, so dass kalt gepresst doch ein eher schönfärberischer Begriff ist.

Es gibt Hunde, die kalt gepresstes Futter sehr gut vertragen und mögen, und solche die anhaltend mit sehr grossem Output darauf reagieren. Das Futter quillt im Magen nicht auf, sondern löst sich auf. Kalt gepresstes Futter muss meist in Online-Shops bestellt werden, die Auswahl ist gering.

Hoher Preis gleich gutes Futter?

Woran aber lässt sich nun ein gutes Fertigfutter erkennen? Auf den ersten Blick leider gar nicht. Ein hoher Preis zum Beispiel bedeutet nicht notwendigerweise, dass man ein hochwertig zusammengesetztes Futter vor sich hat. Umgekehrt lässt sich sagen, dass sehr günstiges Futter in den allermeisten Fällen nicht besonders hochwertig zusammengesetzt ist. Das gilt besonders für Hundefutter aus dem Supermarkt; allerdings gibt es auch Hunde, die das tadellos vertragen – zumindest für den Moment.

Hundefutter vom Tierarzt

Viele Tierbesitzer glauben, dass das Futter am besten sei, das ihr Tierarzt im Regal stehen hat und ihnen wärmstens ans Herz legt. Damit haben Sie immerhin eine Garantie, nämlich dass Sie die teuerste Variante gewählt haben, um Ihren Hund satt zu bekommen, leider aber nicht die beste. Der ehemalige Spiegel-Journalist Hans Ulrich Grimme hat in seinem viel beachteten Buch, «Katzen würden Mäuse kaufen», eindrücklich dargelegt, wie Tierärzte bereits während der universitären Ausbildung von den grossen Futtermittel-Firmen bedrängt und bearbeitet werden. Das Thema Hundeernährung findet ausserhalb dieser Firmen-PR an den veterinärmedizinischen Fakultäten nicht statt. Die gleichen Futtermittelfirmen stehen dann auch schon parat, sobald die Praxis eröffnet wird. Die Margen auf die angebotenen Futtermittel sind enorm, die Werbekampagnen riesig, die Zusammensetzung ist gemessen am hohen Preis in den meisten Fällen minderwertig.

Weitere Informationen einholen

Damit sind wir beim Thema Informationsbeschaffung angelangt. Will man ein gutes Futter finden, bleibt es einem meistens nicht erspart, zusätzliche Informationen einzuholen. Hier bietet sich zunächst ein Besuch auf der Website des Herstellers an. Schon die Art des Webauftritts gibt uns einen ersten Hinweis darauf, wie ernst es die Firma mit der Transparenz ist. Schreien einem auf der Website hauptsächlich Werbung und unbelegte Behauptungen entgegen, wie sensationell einzigartig grossartig dieses Futter sei, ist Misstrauen angesagt.

Eine gute Website sollte für jede angebotene Futtersorte detaillierte Informationen bereitstellen, aus welche Zutaten das Futter besteht und was es nicht enthält. Optimal sind Prozentangaben bei den wichtigsten Bestandteilen, Angaben über die Verdaulichkeit (80 % sollten es schon sein) oder den Anteil tierischer Proteine am Gesamtproteingehalt.

Es sollte eine Möglichkeit bestehen, den Hersteller direkt per E-mail und Telefon zu kontaktieren, wenn man nähere Informationen wünscht. Kundenfreundlich sind Rubriken, in denen häufig gestellte Fragen offen und transparent beantwortet werden und auf kritische Punkte eingegangen wird.

Fleisch oder Getreide oder wie viel von beiden?

Was aber sollte nun in einem guten Hundefutter enthalten sein und was nicht? Da der Hund ein Fleischfresser, genauer gesagt ein Beutegreifer ist, sollte hauptsächlich Fleisch im Hundefutter sein. Im Trockenfutter ist aber in den allermeisten Fällen Getreide enthalten;, die Unterschiede in den Mengen sind beachtlich, aber nicht ganz einfach zu eruieren.

Eines der am heissesten diskutierten Themen in den Internetforen ist die Frage, ob, und wenn ja in welchen Mengen, Hunde Getreide verwerten können. Es wird immer wieder behauptet, Hunde als Fleischfresser könnten ausschliesslich mit Fleisch ernährt werden und Getreide sei lediglich als billiger Füllstoff anzusehen und für den Hund wertlos. Ausserdem rufe Getreide und ganz besonders glutenhaltiges wie Weizen häufig Allergien hervor.

Diese Aussage ist jedoch weder wissenschaftlich haltbar, noch deckt sie sich mit den Erfahrungen unzähliger Hundehalter. Meyer und Zentek schreiben in ihrem eingangs erwähnten Buch: «Eine Ration, die ausschliesslich aus Fleisch besteht, ist nicht vollwertig.»(…) «Sein (des Hundes) Verdauungskanal und Stoffwechsel sind nicht so extrem auf die ausschliessliche Aufnahme von Nahrungsmitteln tierischer Herkunft fixiert wie bei anderen Karnivoren(…). In Gemeinschaft mit dem Menschen wurde der Hund mehr und mehr Omnivor (Allesfresser).» Und noch klarer: «Der ausgewachsene Hund verfügt, wie Enzymbestimmungen und praktische Erfahrungen zeigen, über eine hohe Kapazität für den Abbau von Stärken und ihren Teilstücken, sodass bis zu zwei Drittel der Gesamtfutterenergie in Form von Stärke zugeteilt werden können.»

Die meisten Trockenfutter bestehen zu einem Grossteil aus Getreide und zu einem geringeren Teil aus Fleisch. Glaubt man den Schreckensgeschichten im Internet, finden Getreideallergien bei Hunden rasende Verbreitung. In Wahrheit sind bei Hunden Nahrungsmittelunverträglichkeiten auf ganz verschiedene Stoffe und sehr häufig auch auf bestimmte Formen von tierischem Eiweiss möglich. Leidet der Hund also nach dem Fressen von Trockenfutter dauernd unter Durchfall, wäre es fahrlässig, daraus zu schliessen, er habe wohl eine Getreideallergie. Nur eine unter ärztlicher Aufsicht durchgeführte Ausschlussdiät führt hier zu einer seriösen Diagnose und anschliessender Behandlung.

Getreide kann also vom gesunden Hund verwertet werden, trägt zur Sättigung bei und versorgt ihn mit wichtigen Nährstoffen. Welcher Hund welche Getreidesorten und Mischungen besser verdaut, lässt sich im Voraus nicht sagen. Ein sicherer Indikator für die Verdaulichkeit eines Futters ist aber die Kotmenge und deren Konsistenz. Blähungen und weicher Kot in grossen Mengen sind ein Hinweis darauf, dass das Futter nicht optimal verwertet wird.

Trockenfutter mit sehr hohem Fleischanteil (aufgrund des Produktionsverfahrens sind Prozentanteile von deutlich über 50 % in der Trockenmasse kaum möglich) und Rohproteinanteilen von 30 % und mehr sind in der Schweiz im Tierfachhandel nur selten erhältlich. Das Angebot steigt aber. Proteingehalte in dieser Höhe in einem Trockenfutter sind unter Experten umstritten. Während die einen erklären, Rohproteinmengen in dieser Grössenordnung seien unproblematisch, solange es hochwertige tierische Proteine seien, warnen andere vor Langzeitschäden, zum Beispiel Nierenproblemen. In der Schweiz sind Trockenfutter mit sehr hohen Fleischgehalten und Rohproteinwerten von über 30 % meist nur in Spezialgeschäften oder im Internet zu finden und natürlich ziemlich teuer.

Lesen Sie im nächsten SHM, wie Sie die Angaben auf den Futtermittelpackungen besser verstehen und entschlüsseln können.

Hier können Sie den Artikel aus dem Magazin als PDF ansehen

geschrieben von:
Anja Marti-Jilg

Anja Marti-Jilg

Anja Marti-Jilg ist 1961 geboren und hegte den Wunsch nach einem Hund von Kindesbeinen an. 1997 bekam sie ihren ersten Hund, den Mischling Julia. 1998 gesellte sich ihr Mann Stefan mit Labrador Aiki dazu. Seit Juli 2010 lebt nur noch Cavalier King Charles Melvin bei dem Paar. Beruflich: journalistische Arbeiten seit den siebziger Jahren, Studium der Germanistik, Ausbildung am MAZ in Luzern, diverse Jobs in Medienarbeit und Fundraising. Seit 2014 zertifizierte Ernährungsberaterin Hund und Katze Anisanum. www.futterratgeber.ch

2 Kommentare zu “Wegweiser durch den Hundefutter-Dschungel 1/2

  1. jutta mettbach

    hallo und guten tag,
    ein sehr interessanter artikel. sind sie ernährungsberaterin? ich bin betroffene hundebesitzerrin, die einiges durch hat und bin ganz angetan von ihren artikel. kann man mit ihnen in tel. kontakt treten, das wäre super. ich hoffe ich bin nicht zu aufdringlich.
    mfg jutta mettbach

    Antworten
    1. Sandra Boucek

      Guten Tag Frau Mettbach
      Sie können die Autorin unseres Beitrags „Wegweiser durch den Hundefutter-Dschungel“ unter dieser Page kontaktieren:
      http://www.futterratgeber.ch.
      Herzliche Grüsse
      Sandra Boucek, Schweizer Hunde Magazin

      Antworten

Ihre Meinung interessiert uns – Kommentar schreiben


Name (erforderlich)

Webseite