«Sozialkontakt» − Ist der Hund (k)ein Rudeltier?

  Ein Hund braucht viel Sozialkontakt mit Artgenossen, hört man immer wieder. Doch Achtung, der Hund ist eigentlich kein Rudeltier: Sein wichtigster Sozialkontakt ist der Mensch.   Sozial sein ist etwas Tugendhaftes. Es wird dem Hund quasi in die Wiege gelegt. Den ersten Sozialkontakt erlebt er im Leib der Mutterhündin und danach im Wurf, im «Familienrudel». Dort findet ein wesentlicher Teil der Sozialisierung statt. Wird ein Welpe zu früh aus (…)

Wie macht man Hunde glücklich?

  Wer einen Hund glücklich machen will, muss erst wissen, was «glücklich sein» bedeutet, wie es erkannt und erreicht werden kann. Da führen Missverständnisse schnell in die falsche Richtung.   Die Schweizerische Kynologische Gesellschaft (SKG) hat die «Stiftung Hund Schweiz» ins Leben gerufen, deren Leitmotiv «Hunde glücklich machen» heisst. Für fünf Millionen Franken ist ein «Kompetenzzentrum Hund» geplant, dessen Kernstück eine Trainingshalle ist, wo Praxistrainings und Agility-Turniere stattfinden sollen, wo (…)

Wie viel Führung brauchen Hunde?

Wer die Begriffe «Führung Hund» in die Suchmaschine eingibt, wird von Irrtümern überhäuft. Dabei ist ein richtiges Führungsverständnis etwas vom Grundlegendsten in jeder Mensch-Hund-Beziehung. Kaum ein anderer Begriff in der Hundewelt wird dermassen unterschiedlich verstanden wie «Führung». Im Internet begegnet man in Fachportalen manchen irreführenden Interpretationen. So viel zwar vorweg: Jeder Hund benötigt im Umfang oder in der Art und Weise individuell eine Führung, denn der Charakter – damit ist (…)

Von den Kleinen in der craniosakral-osteopathischen Praxis

Die Kleinen von den Kleinen sind die Kleinsten. Sie sind glänzend, wuschelig, herzig und so oft einfach etwas bissig. So erlebe ich sie in der Praxis und bei Begegnungen unterwegs. Selten liegt es an fehlender Erziehung, oft sind die Kleinsten von Kopfschmerzen geplagt und dann – wer kennt das nicht? – reicht’s halt ab und zu, wenn jeder meint, er müsse etwas dazu sagen. Während kleine Hunde, wie beispielsweise der (…)

Neurologische Probleme bei Kleinsthunden

Wie alle extremen Abweichungen von der ursprünglichen anatomischen Form des Haushundes (Canis lupus familiaris) ist auch die Miniaturisierung von gesundheitlichen Risiken begleitet. In diesem Artikel soll von den Auswirkungen der anatomischen Verkleinerung auf das Nervensystem bei Chihuahua, Toypudel, Zwergspitz sowie Mini-Yorkie und Co. die Rede sein.  Man kann vorausschicken, dass die funktionelle Toleranz gegenüber Missbildungen, die mit der Miniaturisierung einhergehen, sehr gross ist. Dies zeigt sich beispielsweise bei den Veränderungen (…)

Schlüsselloch-Chirurgie beim Hund – Laparoskopische Kastration

Bei einer laparoskopischen Operation spricht man von einem sogenannt minimal-invasiven Eingriff oder umgangssprachlich auch von der «Schlüsselloch-Chirurgie». Das Wort Laparoskopie leitet sich aus dem Altgriechischen ab: lapare (die Weichen), skopein (betrachten). Was in der Humanmedizin schon seit längerer Zeit zum Alltag gehört, wird immer häufiger auch in der Veterinärchirurgie zur Routine. Wir haben die Hündin Athena während der laparoskopischen Kastration in der Central Kleintierpraxis in Sursee begleitet.   Es ist (…)

Der Kreuzbandriss

Das vordere Kreuzband des Hundes reisst recht oft, obwohl meist keine massive Gewalt auf das Knie eingewirkt hat. Dies unterscheidet die Krankengeschichte von derjenigen des Menschen und führt zu einem anderen Verständnis der Entstehung dieser Risse und deren Behandlung. Hunde mit Kreuzbandrissen müssen in der Regel operiert werden, wobei die Prognose bei langsam fortschreitender Arthrose recht gut ist und einem Leben als Familienhund nichts im Wege steht.   Anatomische Grundlagen  (…)

«Homöopathisches» Antizeckenmittel

Hahnemann würde sich im Grab umdrehen!   Jedes Jahr von Neuem wird die Zecke als das grosse Feindbild dargestellt. Wenn sich die Malaria- und Blauzungenmücken nicht in unsere Breitengrade verirrt haben, so haben wir doch «böse» Zecken, die schlimme Erkrankungen übertragen sollen. Und wenn’s die nicht sind, so gibt es noch sogenannte Lästlinge wie Grasmilben oder Flöhe.   Eine Schweizer Firma hat in Zusammenarbeit mit einem Schweizer Tierarzt ein Mittel (…)

Tierschutz bei der Hundezucht – wo bleibt die Umsetzung?

In der Schweiz existiert seit 2008 ein Qualzuchtverbot. Aber noch nie sah man bei so vielen Rassen solche extremen Typveränderungen ‒ weg von der Funktionalität hin zu einem absurden, menschengemachten Schönheitsideal.   Ist die Verordnung über den Tierschutz beim Züchten reine Makulatur? Wem sind die Grundprobleme dafür zuzuschreiben? Den mangelnden Kontrollen der Veterinärämter? Den unkontrollierten Importen der Moderassen aus dubiosen ausländischen Welpenfarmen? Oder der Vereinsstruktur der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft (SKG)? (…)

«Take It Easy» – Konditionierte Entspannung 1/2

Entspannung fühlt sich gut an und ist daher für Menschen ein erstrebenswerter und belohnender Zustand. Für Tiere ist Entspannung ebenfalls ein wichtiger Faktor für eine gute Lebensqualität. Allerdings ist es in erster Linie der Prozess der Entspannung, der sich gut anfühlt. Dieser Prozess setzt voraus, dass es einen Gegenspieler zur Entspannung gibt. Dieser Gegenspieler heisst Erregung. Kenntnisse über diesen Zusammenhang weisen den Weg zu sinnvollem Entspannungstraining.   Die drei E (…)

Take it easy 2/2 – Aufbau konditionierter Entspannungssignale

Alle nachfolgend beschriebenen Möglichkeiten der erlernten konditionierten Entspannung hängen von einem entspannten Zustand des Hundes ab. Deswegen bilden Beobachtungen und verschiedene Versuche zur direkten Entspannung des Hundes das Rückgrat des Entspannungstrainings. Konditionierte Entspannung entsteht durch eine regelhafte Verknüpfung von Ereignissen; die Verbindung zwischen diesen Ereignissen erfolgt durch klassische Konditionierung. Beginnen Sie erst mit der Verknüpfung von Entspannungssignalen, wenn Sie den entspannten Zustand Ihres Hundes sicher erkennen können (einzelne Merkmale finden (…)

Welpenspielgruppen aus verhaltensbiologischer Sicht

Das Konzept der «Welpenspielgruppe» wirft drei Fragen auf, die vor weitergehenden Überlegungen beantwortet werden sollen: Was ist ein Welpe? Was ist eine Gruppe? Was ist Spiel?   Was ist ein Welpe? Ein Welpe ist ein junger Hund in der Zeit zwischen seiner Geburt und dem Beginn des Zahnwechsels. Diese Zeit ist gekennzeichnet durch Phasen besonders schnellen und nachhaltigen Lernens. In der kurzen Zeitspanne zwischen der 3. bis 16. Woche entwickelt (…)