Rassentypische Verhaltens- und Hormonprobleme beim britischen Hütehund

Feinfühlige Britische Hütehunde

Viele Hunderassen zeigen im Umgang mit dem Menschen eine Reihe von Verhaltensauffälligkeiten, die leichter verständlich werden, wenn man sich die Verwendung der jeweiligen Rasse in ihrer früheren Arbeitsgeschichte vor Augen führt. Viele Verhaltenweisen, die einen Hund zu einem guten Arbeitshund gemacht haben, sind im Alltag eines Familienhundes störend bzw. schwierig. Vielfach werden diese Verhaltenseigenschaften auch durch Botenstoffe im Gehirn, Hormone und andere innere Faktoren beeinflusst. Lesen Sie heute über die Besonderheiten der britischen Hütehunde.

Text: Udo Ganslosser und Sophie Strodtbeck

Entstehung und Unterschiede

Die Gruppe der britischen Hütehunde enthält eine Reihe von Hunderassen, die in ihrem Aussehen und ihrer ursprünglichen Tätigkeit durchaus ähnlich waren bzw. sind. Da es auf den Britischen Inseln schon seit sehr langer Zeit keine grossen Beutegreifer wie etwa Bären oder Wölfe mehr gibt, waren die Schäfer und Viehzüchter in diesen Ländern nicht gezwungen, Hunde zu züchten, die das Vieh auch gegen Raubtiere beschützen sollten. Sie konnten sich also darauf konzentrieren, Arbeitshunde zu schaffen, die beim Treiben, Hüten und gegebenenfalls Teilen der Herde behilflich waren. Die Herden waren auch lange Zeit ohne Schäfer alleine auf den Wiesen unterwegs. Dafür brauchte man selbstständige Hunde.

Zugleich war das sprichwörtliche, oft neblig-trübe Wetter mit ursächlich für eine Reihe von wichtigen Eigenschaften der dort arbeitenden Hunde. Zum einen mussten sie auch über grössere Distanz gut sichtbar sein, und bei solchem Wetter fällt ein gescheckter Hund eben mehr auf als ein einfarbiger. Andererseits mussten sie, zumindest bei schlechtem Wetter, auch über grössere Distanzen rein durch Pfiffe oder andere Laute seitens des Schäfers dirigierbar sein. Daraus entstand eine sehr hohe Geräuschempfindlichkeit. Diese wiederum ist bereits eines der Probleme, das bei britischen Hütehunden sehr oft auftritt. Sie wird noch verstärkt durch eine leichte sogenannte subklinische (leicht verlaufende) Schilddrüsenunterfunktionen. In einer neueren Studie an der tiermedizinischen Fakultät der Universität München konnte gezeigt werden, dass bei Bearded Collies selbst ohne eine medizinisch auffallende Schilddrüsenunterfunktion die Gabe von Schilddrüsenhormon wesentlich dazu beitrug, Geräuschangst und übermässige Geräuschempfindlichkeit zu dämpfen.

Der MDR1-Defekt

Über das Cortisolsystem und damit die Stressempfindlichkeit wirkt sich ein leider bei vielen Rassen der britischen Hütehunde verbreiteter Gendefekt aus, der als MDR1 bezeichnet wird. Es handelt sich um einen Gendefekt, der im Wesentlichen die Bluthirnschranke betrifft. Dadurch wird der Übertritt vieler Substanzen aus dem Blutkreislauf in den Hirnstoffwechsel verändert. Bekannt sind die Auswirkungen auf die Verträglichkeit von Medikamenten. Nicht nur Antiparasitika und Narkotika, sondern auch eine Vielzahl anderer Medikamente werden durch diesen Defekt ins Gehirn aufgenommen und können dort zu schwer wiegenden Schädigungen und lebensbedrohlichen Zuständen führen. Der MDR1-Defekt wird rezessiv vererbt, das heisst, ein Hund erkrankt nur dann, wenn beide Chromosomen das schadhafte Gen in sich tragen. Neben der Empfindlichkeit für Medikamente ist jedoch bei reinerbigen MDR1-Hunden noch eine weitere Auswirkung von Bedeutung. Der Rückkopplungskreis, der die Konzentration des Stresshormons Cortisol in einer feinen Abstimmung zwischen Hirnanhangsdrüse und Nebennierenrinde regelt, ist gestört. Dadurch kommt es zu sehr starken Schwankungen des Stresshormons Cortisol, und bereits bei geringfügigen Belastungen zu einer starken Erregbarkeit des Hundes, die sich bis zur Panik und Angstanfällen steigern kann. Auch wenn die Auswirkungen des MDR1-Defekts bisher nur bei reinerbigen Genotypen (beide Elterntiere sind Chromosomen-Träger der veränderten und damit krankmachenden Genvariante) medizinisch belegt sind, könnten geringfügigere Konzentrationsschwankungen durchaus auch bei mischerbigen Hunden denkbar sein. Für einige Medikamente zumindest sind auch die Mischerbigen bereits anfällig. Der MDR1-Defekt ist bei Tierärzten schon sehr lange bekannt, aber seine Ursache nicht. Tierärztliche Erfahrungsberichte sprachen schon immer davon, dass einige Collies sich in Krankheiten regelrecht hineinstürzten und fast hypochondrisch ihre Krankheiten auszuleben schienen, während andere viel schneller dazu bereit waren, Behandlungen zu akzeptieren und selbst bei ihrer Gesundung «mitzuhelfen». Bei der erstgenannten Gruppe handelt es sich möglicherweise um die MDR1-Collies, bei denen verschiedene Krankheiten in Zusammenhang mit einem ohnehin überforderten Cortisolsystem eben noch stärker ausgeprägt waren.

Persönlichkeitseigenschaften

Dass die Gruppe der britischen Hütehunde keineswegs in ihrem Verhalten homogen ist, sondern viele Unterschiede in Persönlichkeitseigenschaften aufweist, zeigt die gross angelegte Budapester Vergleichsstudie aus der Arbeitsgruppe rund um Professor Miklosi. Dort wurden 96 verschiedene Hunderassen durch einen Fragebogen getestet, den nahezu 10 000 Hundehaltern über verschiedene Zeitschriften und Websites bearbeiteten. Sie ordneten ihren Hunden dann bestimmten Eigenschaften zu, und die mit diesen Fragen verknüpfte Punkteverteilung liess sich auf eine Reihe von Persönlichkeitsachsen reduzieren. In der Auswertung wurden dann vier Persönlichkeitsachsen berücksichtigt, nämlich Gelassenheit und emotionale Stabilität, Trainierbarkeit und Offenheit für neue Erfahrungen, Geselligkeit mit Hunden und Extrovertiertheit beziehungsweise Kühnheit. Vier Rassen britischer Hütehunde wurden unter diesen 96 Rassen mitberücksichtigt, und auf einigen Persönlichkeitsachsen unterscheiden sich die Werte zwischen diesen Rassen ganz erheblich. Folgende Werte wurden erzielt:

Border Collie Bearded Collie Australian Shepherd Collie
Gelassenheit Platz 66 Platz 47 Platz 68 Platz 58
Trainierbarkeit Platz 4 Platz 41 Platz 3 Platz 44
Geselligkeit mit Hunden Platz 68 Platz 5 Platz 45 Platz 26
Extrovertiertheit Platz 62 Platz 53 Platz 55 Platz 82

 

Während beim Persönlichkeitsfaktor Gelassenheit alle vier untersuchten Rassen einigermassen gleichmässig im Mittelfeld beziehungsweise am unteren Rand zu finden sind, sind die Unterschiede in den Persönlichkeitsfaktoren Trainierbarkeit und Geselligkeit mit Hunden doch sehr erheblich. Auch die Extrovertiertheit der Rassen unterscheidet sich gewaltig.

Die Selbstbelohnungsdroge Dopamin

In weiterführenden Untersuchungen zeigte sich dann, dass gerade Hütehundrassen, die über eine lange gemeinsame Kooperationsgeschichte mit dem Menschen verfügen, sich bei unlösbaren Aufgaben viel stärker am Menschen orientieren, Blickkontakt mit ihm suchen oder ihn durch Bellen oder andere Verhaltensweisen zur Hilfe auffordern. Umgekehrt lassen sich gerade Hütehundrassen besonders gut vom Menschen auch durch Fingerzeig und andere Gesten dirigieren.

Ein Mitarbeiter des amerikanischen Hundeforschers Ray Coppinger hat bereits vor über 20 Jahren herausgefunden, dass im Hirnstoffwechsel von Border Collies und anderen Hütehunden die Konzentration des als Selbstbelohnungsdroge bezeichneten Wirkstoffs Dopamin beispielsweise gegenüber Herdenschutzhunden deutlich erhöht ist. Das bedeutet, dass die oft auch von Hundehaltern und Züchtern beschriebene Workaholic-Mentalität der Border Collies, Australian Shepherds und verwandter Rassen eine Grundlage in der Neurobiologie hat. Ein erhöhter Dopaminspiegel führt nicht nur zu einem verstärkten Selbstbelohnungseffekt bei gelösten Aufgaben, sondern versetzt das Tier auch in eine freudig-erregte Erwartung bei erneutem Auftreten von Randbedingungen, die beim letzten Mal einen solchen Erfolg begleitet haben. Der bekannte Effekt, dass gerade Border Collies, Australian Shepherds und verwandte Rassen oftmals schon beim Betreten des Parkplatzes vor der Hundeschule in völlige Aufregung verfallen, oder beispielsweise im Agility-Parcours kaum mehr zu bremsen sind; dies lässt sich also teilweise durch diese freudige Erwartung (antizipativer Effekt des Dopamins) erklären. Gekoppelt mit der ebenfalls bereits erwähnten rassetypischen Eigenschaft zur Rückorientierung auf den Menschen und zu häufigen Blickkontakten entsteht dann unter Umständen eben der bekannte Border Collie oder Australian Shepherd, der fiepsend und quiekend vor Begeisterung ständig seinen Menschen anschaut und diesen zu noch schnellerer und heftigerer Aktivität auffordert.

Stereotypien und Zwangshandlungen

In der Domestikationsgeschichte des Hundes wurden Treib- und Hütehunde dadurch geschaffen, dass bestimmte Elemente des Beutefangverhaltens aus dem wölfischen Gesamtverhalten heraus selektiert und verstärkt beziehungsweise überhöht wurden. Besonders zu nennen sind hier die mittleren Teile der gesamten Beutefangkette, nämlich Fixieren, Anschleichen und Zupacken. Um dieses Verhalten stundenlang an grossen Schafherden immer wieder zeigen zu können, darf es nahezu nicht ermüden. Eine sogenannte hohe Persistenz (man könnte auch Sturheit dazu sagen) bei der Ausübung dieser Aufgaben ist also ebenfalls rassetypisch erwünscht gewesen. Wenn ein Hütehund eine grosse Herde zu betreuen hat, gibt es eben immer wieder ein Schaf zurückzutreiben, im Zaum zu halten oder anderweitig zu beeinflussen. Da kann der Hund nicht einfach nach dem dritten Schaf keine Lust mehr haben und deshalb aufgeben…

Auch hier sind wieder neurobiologische Probleme versteckt. Eine hohe Persistenz, das zeigen Untersuchungen an anderen Tierarten sowohl im Labor als auch an Bären aus langweiligen, schlechten Zwingerhaltungen, ist oftmals gekoppelt mit einer besonderen Anfälligkeit für Stereotypien und Zwangshandlungen. Wer schon im Alltag bestimmte Handlungen nahezu ermüdungsfrei immer wieder wiederholt, wird auch dazu neigen, bei Langeweile oder anderweitig unzureichenden Bedingungen eine Stereotypie zu entwickeln. Gerade Border Collies und in vermindertem Ausmass auch Australian Shepherds neigen bekanntlich zur Entstehung von Zwangshandlungen. Schattenjagen, stundenlanges Anstarren von Treppenstufen und unbewegten Gegenständen oder auch die Neigung, als Ball- und Stöckchenjunkie in einen Rauschzustand zu versinken, sind rassetypisch. Erniedrigte Reizschwellen und damit leichtere Auslösbarkeit für die Elemente des Fixierens, Anschleichens beziehungsweise -rennens und Zupackens sind Risikofaktoren für die Entstehung eines Bällchenjunkies. Auch hier ist wieder die erhöhte Persistenz ein zusätzlicher Risikofaktor, der die Handlung eben nahezu ermüdungsfrei, notfalls stundenlang wiederholen lässt. Wenn Halter und Trainer dann glauben, einen solchen Hund durch noch mehr Beschäftigung und noch mehr Aktivismus auslasten oder gar ermüden zu können, beginnt eine unheilvolle Spirale, die schliesslich zu einem völlig «durchgeknallten» Suchtpatienten führen kann. Und genau wie in der menschlichen Suchttherapie ist auch bei der Dopaminsucht eines Balljunkies nur noch die konsequente Abstinenz, also das Fernhalten von jeglichem auslösenden Reiz möglich. So wie der trockenen Alkoholiker keine Schnapspraline mehr haben darf, sollte der Border Collie-Balljunkie kein einziges Mal mehr hinter einem geworfenen Ball, Stock, Futterbeutel oder ähnlichem hinterher hetzen. Auch die heute so moderne Reizangel ist für solche Hunde buchstäblich Droge.

Möglicherweise hat noch eine andere Erkrankung, die gerade bei Border Collies und Australian Shepherds auftritt, ihre neurobiologischen Wurzeln hier.

Epilepsie

Gerade beim Border Collie tritt relativ häufig eine genetisch verursachte Epilepsie auf. Nach Ausschluss aller anderen Ursachen, etwa Hirntumore, Schädelverletzungen, Schilddrüsenunterfunktion und so weiter, verbleibt bei der Analyse der Krankheitsdaten von epilepsieanfälligen Border Collies eine grosse Gruppe, die nur schwer auch medikamentös zu behandeln ist. Bei diesen Hunden, bei denen sich die epileptischen Anfälle meist schon im frühen Alter zeigen, ist auch die Prognose insofern ungünstig, als sie oftmals in kurzer Zeit schwer wiegende Anfälle entwickeln und möglicherweise sogar an einem Anfall sterben oder wegen ihrer schweren Epilepsie eingeschläfert werden müssen. Familiäre Häufungen solcher unerklärlicher Epilepsiepatienten deuten allerdings auf eine komplizierte und nicht den einfachen Mendelschen Regeln folgende Vererbung hin. Es ist also wichtig, diese Hunde und ihre Verwandten konsequent von der Zucht auszuschliessen. Alter, Geschlecht oder Kastration haben nachweislich keine Auswirkung auf diese Form der Epilepsie, bei manchen begann die Epilepsie sogar erst unmittelbar im Zusammenhang mit der Kastration erstmals aufzutreten. Eine allgemeine Stressanfälligkeit ist die einzige durchgängig von Haltern solcher Hunde geschilderte Gemeinsamkeit. Wenn man bedenkt, dass Epilepsie beim Hund offensichtlich mit dem Botenstoffsystem des Acetylcholins und einigen Regionen im seitlichen Zwischenhirn zu tun hat, die auch an der Steuerung des Jagdverhaltens beteiligt sind, könnte ein wenn auch noch sehr hypothetischer Zusammenhang hier durchaus herstellt werden.

Eines zumindest ist medizinisch durchaus schon nachgewiesen, nämlich dass unmotiviertes Jagen von Schatten, Lichtkringeln oder imaginären Fliegen, vor allem wenn es sehr häufig wiederholt oder lang anhaltend fortgesetzt wird, eine milde Vorstufe der Epilepsie darstellt. Leider werden solche Warnsignale eben oft von Haltern und auch manchen Therapeuten übersehen. Es bedarf also einer sehr genauen Ursachenabklärung.

Vergleich Border Collie – Australian Shepherd

Im Zusammenhang mit dem Auftreten von Verhaltensstörungen (Stereotypien oder auch Zwangshandlungen, siehe oben) wurden Halter von Australian Shepherd und Border Collies im Rahmen einer Dissertation an der Tierärztlichen Hochschule Hannover verglichen. Bemerkenswert war, dass viel mehr Halter von Border Collies als von Australian Shepherds ursprünglich angaben, den Hund als Arbeitshund, Turnierhund oder für spezielle Formen der Beschäftigung angeschafft zu haben.

Für eine Reihe von Verhaltensstörungen (übermässige Furchtsamkeit, Angstanfälligkeit, Geräuschprobleme, Stereotypien) war der Prozentsatz der befallenen Border Collies wesentlich höher als der bei den Australian Shepherds. Für stereotypes oder übermässiges Bellen dagegen lag der Prozentsatz beim Australian Shepherd wesentlich höher als beim Border Collie. Beide Rassen zeigten nur sehr geringe Tendenzen zur Aggression. Bemerkenswert war ein anderes Ergebnis der Studie, nämlich dass die Intensität des Starrens als Zwangshandlung wie auch die Intensität von Stereotypien in der als Hütehund genutzten Gruppe wesentlich geringer ausfiel als bei Familienhunden.

Hundesport als Auslastung hatte beim Border Collie keinen Effekt auf die Ausbildung von Stereotypien und Zwangshandlungen! Die Neigung zum Kneifen (das sogenannte Heeling) war bei den Arbeitshunden verstärkt gegenüber den Familienhunden. Hunde, die im Turniersport genutzt wurden, zeigten ebenfalls eine verstärkte Neigung zum Heeling. Welche Art von Sport wie häufig ausgeübt wurde, hatte keinen Effekt. Hunde, die regelmässig Hundekontakt hatten und seltener von ihren Haltern alleine gelassen wurden, hatten eine geringere Anfälligkeit für Stereotypien. Ebenso war die Neigung zur Ausbildung stereotypen Verhaltens geringer bei Hunden, die mit den menschlichen Familienmitgliedern in der Zuchtstätte regelmässigen Sozialkontakt hatten, und bei solchen, die keinen oder nur wenige Halterwechsel erfahren haben. Die Herkunft aus einer sogenannten Show- oder Arbeitslinie hatte dagegen keinen erkennbaren Einfluss auf eine der genannten Verhaltensauffälligkeiten.

Showlinie?

Gerade in diesem Zusammenhang muss betont werden, dass die Thematik der sogenannten Show- gegenüber den Arbeitslinien häufig falsch verstanden wird. Hunde aus Showlinien sind nicht die besseren Familienhunde. Sie sind schlichtweg aufgrund ihrer geringeren Kontrollierbarkeit und Steuerbarkeit schlechtere Arbeitshunde. Hier ist noch eine weitere Dissertation aus Hannover von Interesse: die Erblichkeit der Verhaltensmerkmale bei der Leistungshüteprüfung von Border Collies zeigte sich zu etwa 4–5 %. Weit über 90 % der Unterschiede zwischen dem besten und dem schlechtesten bei einem Hüteturnier konnten nicht durch die Leistungen der Eltern in vergleichbaren Situationen vorhergesagt werden. Man kann auch zwei Leistungssieger miteinander kreuzen und einen Hund bekommen, der eben nicht weiss, was er in schwierigen Situationen mit einer Schafherde anfangen soll.

Hierbei geht es dann aber nicht um die wohl weitgehend genetisch fixierten Verhaltenselemente des Fixierens, Anschleichens und Zupackens. Für diese Verhaltensweisen wurden sogar schon Kandidatengene identifiziert. Man hat also schon eine sehr genaue Vorstellung, welcher Abschnitt auf welchem Chromosom wohl für die Weitergabe dieser starren Verhaltensmuster verantwortlich ist. Anders beim Phänomen des sogenannten «Sheep sense», der dafür verantwortlich ist, das Verhalten der Schafherde vorherzusehen und allenfalls die notwendigen Gegenmassnahmen an der richtigen Stelle ergreifen zu können, um die nervöse Herde auch bei schlechtem Wetter in einen nebeligen Pferch zu treiben. Foto 9

Hüten als Bespassung?

Letztlich muss aus Tierschutzgründen eines deutlich festgehalten werden: Es ist hochgradig tierschutzwidrig, auf sogenannten Hüteseminaren ungeeignete oder auch unerfahrene Border Collies, Australian Shepherds oder andere Hütehunde mit armen, unschuldigen Schafen oder auch Jungrindern als Hüteobjekte zu beschäftigen. Auch die auf vielen Hundemessen übliche Unsitte, Border Collies beim Hüten von Laufentengruppen zu zeigen, wird glücklicherweise in Deutschland immer öfter von motivierten und aufmerksamen Amtstierärzten konsequent unterbunden. Der Tierschutz darf nicht beim Hund aufhören, und ein gehütetes Schaf befindet sich in einer permanenten Stresssituation, wenn es von einem potenziellen (unerfahrenen und fremden) Beutegreifer übermässig lange fixiert oder immer wieder angegangen wird. Wenn ein arbeitender Border Collie mit mehreren hundert Schafen zu tun hat, ist dies eine ganz andere Situation als bei einem unterbeschäftigten Familienhund, der dann am Wochenende auf 5 oder 10 Schafe losgelassen wird.
Nur in einem Zusammenhang ist möglicherweise der Kontakt zu lebendem Vieh tatsächlich eine Lösung für manche Probleme. Border Collies, die als reine Sport- und Familienhunde gehalten wurden und keinen Kontakt zu Vieh hatten, zeigten insgesamt häufiger Hüteverhalten gegen die menschlichen oder hundlichen Familienmitglieder oder auch unbewegten Objekten, als solche, die in ihrer frühen Junghundzeit Kontakt mit lebendem Vieh hatten.

Der ideale Familienhund?

Abschliessend ist zu bemerken, dass gerade die Angehörigen der spezialisierten Rassen nur mit grossem Aufwand verhaltensgerecht zu halten sind. Trotz oder gerade wegen ihrer überdurchschnittlich hohen Intelligenz, Selbstständigkeit und Fähigkeit zur Lösung von Problemen sind sie im Alltag oftmals unzufrieden. Ihre rassebedingte Fähigkeit, sich selbstständig Problemlösungen zu suchen, bringt sie oft auch auf Wege, die dem Menschen nicht angenehm oder sogar störend sind. Die dopamingesteuerte Fähigkeit, selbst verschaffte Erfolgserlebnisse sehr schnell abzuspeichern und mit freudiger Erwartung wieder zu zeigen, macht sie anfällig für Verhaltensstörungen. Je spezialisierter also ein Hund ist, desto weniger ist er als «Nur-Familienhund» geeignet!

 

Hier können Sie den Artikel aus dem Magazin als PDF ansehen

geschrieben von:
Udo Ganslosser

Udo Ganslosser

Udo Ganslosser (*1956) ist Privatdozent für Zoologie an der Universität Greifswald. Am Zoologischen Institut Erlangen erhielt er 1991 die Lehrbefugnis. Udo Ganslosser ist unter anderem Lehrbeauftragter am Phylogenetischen Museum und Institut für Spezielle Zoologie der Universität Jena. Seit mehreren Jahren betreut er zunehmend mehr Forschungsprojekte über Hunde, seien es Haushunde oder Wildhundeartige. Dabei geht es vor allem um Fragen von Sozialbeziehungen und sozialen Mechanismen.

geschrieben von:
Sophie Strodtbeck

Sophie Strodtbeck

Sophie Strodtbeck (*1975) hat ihr Studium 2002 an der Ludwig-Maximilians-Universität München als Tierärztin abgeschlossen. Berufserfahrung sammelte sie in verschiedenen Praxen. Seit längerer Zeit ist sie in einer Hundeschule für tiermedizinische Belange zuständig und bietet zusammen mit Udo Ganslosser verhaltensmedizinische Beratungen an. Nebenher schreibt sie Artikel für diverse Hundezeitschriften und teilt ihr Leben derzeit mit vier eigenen Hunden.

27 Kommentare zu “Rassentypische Verhaltens- und Hormonprobleme beim britischen Hütehund

  1. Stefanie Simon

    Guten Tag, das ist ein sehr interessanter Artikel. Ich würde gerne weiterlesen in denen von Ihnen genannten Studien (Miklosi, Mitarbeiter von Coppinger, Dissertation TiHo Hannover). Könnten Sie mir bitte die genauen Quellen nennen? Herzlichen Dank im voraus, Stefanie Simon

    Antworten
    1. Sandra Boucek

      Guten Tag Frau Simon
      Von den Autoren habe ich folgende Quellen-Angaben erhalten:
      – C D Arons & W J Shoemaker 1992: The distribution of catecholamines and beta-endorphins…….Brain Research 594, 31 – 39
      – Meermann, S: 2009: Untersuchungen zu Verhaltensauffälligkeiten bei Hunden der Rassen Bordercollie & Aust. shepherd…..Diss. TiHo Hannover
      – B. Turcsan, E Kubinyi & A Miklosi 2011: Trainability & Boldness differ between breeds……Appl. Anim. Behav. Sci. – leider ist das vollständige Zitat z Z verpackt…..
      – dazu die Kapitel von Coppinger & Schneider – Evol. of Working Dogs, sowie B Hart: Breed & Gender differences….in J Serpell (ed): The Domestic Dog. CUP 1995
      – eine interessante Studie ist auch ca 2003 von Marschark & Baenninger veröffentlicht worden, über die Art wie man BCs das Schafehüten am Besten beibringt
      Freundliche Grüsse
      Sandra Boucek, Redaktion “Schweizer Hunde Magazin”

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  2. Vera Kreykenbohm

    Ein sehr guter Beitrag!
    Einzig den Abschnitt „Hüten als Bespassung?“ empfinde ich als polemisch und der Qualität des übrigens Beitrages nicht angemessen.
    Wo, wenn nicht auf (guten) Hüteseminaren soll ein Hundehalter herausfinden, ob sein Hund das Hüten lernen kann? Bei allen mir bekannten Veranstaltern wird großen Wert darauf gelegt, dass es allen Beteiligten (auch den „armen“ Schafen) dabei gut geht (genug Pausen, Wechsel der Schafgruppen, Schafe innerhalb von Netzen bei Erstkontakt usw.) Ich habe noch keinen Veranstalter und Trainer dabei beobachten können, wie er völlig ungeeignete Hunde länger als nötig (die Zeit, díe man zum Feststellen eben braucht) an den Schafen ließ…

    Der Zweck des Seminarbesuchs besteht ja meist darin, die Fähigkeiten von Hund und Handler zu verbessern und damit wird auch zu Hause an der eigenen Herde besseres, Schafe schonendes Handling ermöglicht.

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    1. Armin

      Ausgezeichneter Artikel . Hut ab. Aber auch von meiner Seite aus der einzige Kritikpunkt .
      Bei den von mir besuchten Hüteseminaren , die ich mir auch sehr bewusst hinsichtlich der etwaigen traumatischen Belastung der zu hütenden Spezies angeschaut habe , konnte ich diesen Kritikpunkt der Verfasser hier in Kontinentaleuropa nahezu kaum nachvollziehen.
      Wie Vera ausgeführt hat wird von verantwortungsbewussten Trainern sehr viel Wert auch auf tierschutzgerechtes Verhalten gelegt.
      Auf den britischen Inseln sieht das leider etwas stringenter aus.

      Am Rande. Was mein letzter Border betrifft (leider vor kurzem verstorben) und mit ( in 40 Jahren) erarbeitetem Hundeverstand gehandelt – Nun , keinerlei Stereotypen – kein Junkieverhalten und auch ohne Agility und sehr wenig Hüten ein prachtvoller , intelligenter , selbstbewusster Hund , der nicht eine Minute in seinem Leben Probleme machte.
      Vielleicht Glück gehabt , die neue „Kleine “ wirds zeigen.

      Nette Grüsse und einen nochmaligen Dank für einen der besten Artikel zum Thema.
      Armin

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      1. Ronja

        Sehr guter Artikel! nur eine Frage habe ich noch: Seit wann ist der Australian Shepherd ein britischer Hütehund??? 😀 😀 Ich weiss ja dass er nicht aus Australien kommt, aber aus den USA und nicht UK 😉

        Antworten
        1. Sandra Boucek

          Hallo Ronja
          Die Vorfahren des Australian Shepherd kamen unteranderem aus Europa, daher kann man ihn getrost bei der Familie der britischen Hütehunde erwähnen und vom Verhalten passt er ja allemal in diese Gruppe.
          Liebe Grüsse
          Sandra Boucek, Redaktion „Schweizer Hunde Magazin“

          Antworten
    2. Annette Fischer

      Treibball wäre hier eine sehr gute Alternative. Voraussetzung ist aber auch hier, dass es gut aufgebaut wird und der unerfahrenen Hund nicht auf einer riesen Wiese selbstverloren Bälle „treibt“.

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      1. Hanny deckert

        Treibball ist keine Alternative zum hüten, es sei denn man sieht beides als reine Bespassung. Beim hüten reagiert das Vieh aktiv auf den hund, der Treibball ist ein toter Gegenstand ohne jegliche eigene Reaktion. Kleiner aber wichtiger Unterschied.

        Antworten
  3. Pingback rassetypisches Verhalten ? - Australian Shepherd - Aussie.de

  4. Elfriede Schlicht

    Dieser Artikel war für mich sehr aussagekräftig. Ich habe seit über 20 Jahren Collies( 10), bis auf eine Hündin alle aus dem Tierschutz.
    Meine Züchter-Hündin( 6J.) ist ein sog. Ball-und Stockjunkie. Sie ist in meinem derzeitigen Rudel von 4 Collies die einzige, die das Verhalten zeigt. Sie läßt sich unglaublich schnell hochpuschen und ist dann kaum noch zur Ruhe zu bekommen. Bälle und Stöcke werfe ich schon lange nicht mehr. Die nächste „Droge“ sind Agility und Turniersport. Sie ist unglaublich klug und hat ihr Rudel im Griff, trotz der doch recht nervigen Art.
    Das ganze Gegenteil zu ihr sind die 3 Tierschutzcollies. Die haben mit teilweise massiven Traumata zu kämpfen. Für die drei zählt nur meine Nähe, Körperkontakt und was ganz stark auffällt, eine ganz ruhige und sanfte Stimme. Für Aktivitäten auf dem Hundesportplatz sind sie absolut ungeeignet.
    Collierüde 15 J. genießt seinen Gnadenplatz, er ist inzwischen taub und dement
    Collierüde 10 J. ist ein ehemaliger Deckrüde, der von seinem Wesen niemals in die Zucht hätte gehen dürfen. Er ist ein Angstbeißer und wurde deshalb vom Züchter zum Einschläfern gebracht wurde. Er hat etwa ein Jahr gebraucht um wieder ein fast normales Verhalten zu zeigen.
    Colliehündin 10 J. aus Spanien. Sie hat eine Odyssee durch mehrere Tierheime, Familien, Perreras hinter sich. Sie ist ein Angstbeißer der schlimmsten Art. Bei ihr bin ich mit Hilfe einer Therapeutin am arbeiten, so langsam kommt sie zur Ruhe.
    Durch Ihren Artikel verstehe ich einige Dinge nun doch besser.
    Danke E. Schlicht

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  5. Martina Zidek

    Ein wirklich sehr interessanter und lesenswerter Artikel! Er hat mich auf die Vergleichsstudie von Prof. Miklosi neugierig gemacht: wo kann man diese nachlesen, bzw. eine Tabelle mit allen getesteten Rassen finden?
    LG Martina

    Antworten
    1. Sandra Boucek

      Hallo Frau Zidek
      Von den Autoren habe ich folgende Quellen-Angaben erhalten:
      – C D Arons & W J Shoemaker 1992: The distribution of catecholamines and beta-endorphins…….Brain Research 594, 31 – 39
      – Meermann, S: 2009: Untersuchungen zu Verhaltensauffälligkeiten bei Hunden der Rassen Bordercollie & Aust. shepherd…..Diss. TiHo Hannover
      – B. Turcsan, E Kubinyi & A Miklosi 2011: Trainability & Boldness differ between breeds……Appl. Anim. Behav. Sci. – leider ist das vollständige Zitat z Z verpackt…..
      – dazu die Kapitel von Coppinger & Schneider – Evol. of Working Dogs, sowie B Hart: Breed & Gender differences….in J Serpell (ed): The Domestic Dog. CUP 1995
      – eine interessante Studie ist auch ca 2003 von Marschark & Baenninger veröffentlicht worden, über die Art wie man BCs das Schafehüten am Besten beibringt
      Freundliche Grüsse
      Sandra Boucek, Redaktion „Schweizer Hunde Magazin“

      Antworten
  6. Olaf

    Hallo

    Ich habe ihren Bericht interessiert gelesen und sehe sehr viele Parallelen zu unserem Border Mix. Er wurde ursprünglich als Schäferhund – Labrador Mix angeboten. Wir haben uns damals nach einer eher ruhigeren Rasse umgesehen. Schnell stand fest dass der junge Rüde eher ein Border Collie mit ner Hauch von Labrador ist. Mittlerweile ist er 2,5 Jahre alt und erfüllt nahezu alle Kriterien eines Border. Er hat ein sehr ausgeprägtes Hüteverhalten gegenüber seinem Rudel/Familie. Sehr intelligent und aufmerksam. Sturheit gehört ebenso zu seinem Wesen wie leider auch ein Jagdtrieb. Ob Vögel, Katzen oder Rehwild. Ohne Leine ist er weg und treibt so lange bis er endlich merkt dass er nicht zu seinem Ziel kommt. Das macht das Gassi gehen ohne Leine schwierig. Was ihn noch sehr ausmacht ist seine Unsicherheit. Er schrickt bei fast jedem plötzlich auftretenden Geräusch zusammen. Selbst ein Werbeschild hat ihn mal so erschrocken dass er aus dem Stand 1m zurück sprang. Und er ist ein Angstbeller. Egal wer kommt erst wird gebellt. Was bei vielen als böswillig rüber kommt. Das Zwicken mit den Schneidezähnen beherrscht er leider auch. Aber sonst ist ef sehr gutmütig, liebt es mit anderen Hunden zu tollen und mag Kinder sehr. Er wäre ein idealer Therapie Hund für Kindergärten und der Gleichen wenn er nicht die Eltern verblendet wurde. ?

    Antworten
    1. Sylvia Bartz

      ?????????? Also ich habe bis zu 8 Border Collies gleichzeitig gehabt. Aber diese verhaltensweisen habe ich nicht gedultet. Weder zwicken noch irgendetwas Jagen. Auch kein Angstbellen. Ihr solltet mal an Eurem Verhältnis zum Hund arbeiten. Das hört nach einem Hund an dem ein Souveräner Hundeführer fehlt der Ihm grenzen und Sicherheit gibt. Dann wird auch nicht mehr gejagt und Angstbellen ist dann nicht mehr nötig usw. Der Hund ist mit 2,5 Jahren noch nicht fertig in der Entwicklung. Das dicke Ende kann noch komme. Erst wenn Ihr das im Griff habt und der Hund sicher im Wesen ist sollte Ihr über einen Therapiehund nachdenken. Kinderfreundlichkeit allein reicht nicht. Gehütet werden bei mir nur meine Schafe sonst nichts.

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  7. Belle

    Hallo,

    mein Hütehund-Mix ist jetzt ca. 6 Jahre alt. Vor 3 Jahren habe ich ihn aus einem Tierheim zu uns geholt. Bereits nach einigen Tagen fing er mit dem Hüten – Zwicken an. Im Tierheim hieß es, er sei ein unkomplizierter Familienhund haha. Toll ich habe einen Wadenbeißer.

    Ich habe sehr viel Erfahrung mit Hunden. Eigene Hunde aus dem Tierschutz und war lange Zeit Pflegestelle für den Tierschutz. Hatte es oft mit sehr schwierigen Fällen zu tun aber habe es immer in den Griff bekommen und alle gut auf den Weg geschickt. Keiner kam zurück, alle haben ein schönes Leben in ihrer neuen Familie. Und nun habe ich seit 3 Jahren selbst einen Hund, dem ich es nicht abgewöhnen kann zu zwicken. Teilweise war ich der Verzweiflung nahe und ja, ich habe sogar drüber nachgedacht, ihn wieder zurück zu geben, ausgerechnet Ich!

    Ich habe mich schlau gemacht, viel gelesen, viele verschiedene Hundetrainer konsultiert, verschiedene Beschäftigungsmöglichkeiten probiert – NICHTS hat ihn von diesem Kontrollzwang abgebracht! Vor 3 Monaten habe ich einen Schilddrüsentest machen lassen und einer der Werte liegt tatsächlich im unteren Bereich kurz vor einer Unterfunktion. Er bekommt seit dem Forthyron aber auch das nützt nichts. Den MDR1 Test habe ich gleich nachdem ich ihn aus dem Tierheim geholt habe machen lassen. Bei ihm ist aber alles normal.

    Dank meiner Erfahrung ist er trotzdem sehr gut erzogen, Jagd auch nicht mehr. ABER das Zwicken und Kontrollieren lässt er nicht. Lange habe ich an mir selbst gezweifelt und eine der Trainerinnen, die ich aufgesucht hatte, hatte mich damals sogar gefragt, ob ich das nicht einfach akzeptieren kann? Schließlich habe ich es doch im Griff und in manchen Situationen träger er halt den Maulkorb vorsichtshalber. Da dachte ich noch, wie ist die denn drauf? Aber inzwischen denke ich, sie hat recht!

    Dieser Artikel bestätigt das nochmal! Danke dafür!
    Mit diesem Makel muss ich mich abfinden und bin sehr froh, denn ansonsten ist er ein toller Hund und Begleiter für mich!
    Gut, dass er bei mir gelandet ist und ich anfangs keine Angst hatte, wenn er auch mich mal angebrummelt hat. Ohne meine Erfahrung wäre er vermutlich auch nach ein paar Tagen wieder im Tierheim gelandet. Dadurch habe ich auch gelernt, nicht vorschnell Menschen zu verurteilen, die einen Tierschutzhund nach kurzer Zeit wieder zurück bringen. Ohne Erfahrung ist es oft schwierig bzw. unmöglich. Wie ich später erfahren habe, war auch mein Hund schon mal vermittelt und nach nur 7 Stunden wurde er wieder zurückgebracht. Tja, nun gehört er zu mir und meiner Familie und so wird es auch bleiben!

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  8. Marion Flitter

    Schöne Feststellung und sehr hilfreich, jetzt erklärt sich für mich vieles……. aber was mache ich denn nun, wenn mein Mini Aussie im Alltag ein super ruhiger und ausgeglichener Hund und Begleiter ist und sobald wir den Hundeplatz betreten genau oben aufgeführtes Verhalten zeigt (und wir sind nur zum Spaß und zur Geselligkeit dort, nachdem wir die Begleidhundeprüfung abgelegt haben).
    Auslastung, Beruhigung und die klassischen Maßnahmen haben wir alle schon versucht…..

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    1. Sandra Boucek

      Guten Tag Frau Flitter
      Ihnen einen seriösen Rat zu geben, ohne das Verhalten Ihres Hundes gesehen zu haben, ist mir leider nicht möglich. Aber die Vermutung liegt nahe, dass Ihr Vierbeiner aus irgend einem Grund den Übungsplatz mit Stress verknüpfen könnte…
      Herzliche Grüsse
      Sandra Boucek, Redaktion „Schweizer Hunde Magazin“

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  9. Blanca

    Danke für den sehr interessanten Artikel. Unser Border Mix liebt seinen Ball, ist aber noch nicht ganz zum Junkie geworden (Ball kann auch neben ihm liegen und er beachtet ihn nicht). Wir haben Schafe und Ziegen, er zeigt sehr oft seinen Hüteinstinkt, macht das dann eher ungeschickt. Ein professionelles Training ziehen wir aber nicht in Erwägung, unsere Schafe sind alle handzahm und hören aufs Wort. Habe hier auch einige Kommentare gelesen zwecks dem Hütetrieb beim Spazieren. Da ist unserr Border ganz anders. Er geht maximal 10 Meter von uns weg, sucht uns, hat uns immer im Auge, rennt auch nichts und niemandem nach. Vielleicht sieht er ja uns als seine Herde 🙂 ? Er ist generell sehr ängstlich bei Fremden, traut wenigen Menschen. Er ist kein Angstbeisser, aber ein Angstbeller. Erst nach einigen Begegnungen legt sich sein Misstrauen und er zeigt sich von seiner bestne Seite. Gibt es noch mehrere mit solchen Erfahrungen? Mit Angstbellen meine ich, dass schon mal ein Fletschen kommt, aber sobald sich die Person nähert und er merkt, dass sein Bellen nicht viel bewirkt (tut es aber meistens!) wird die Rute eingeklemmt und weg ist er. Also vom Wolf zum Schaf. Es ist etwas störend, da viele Bekannte sowieso schon skeptisch gegenüber Hunden sind und wenn sie dann diesen kleffenden „Wolf“ sehen, sowieso umkehren. Dabei geht er ins Passive – und Leute die sich näher trauen, merken das schnell. Wie könnte man das Verhalten erklären? Er ist kein Tierheimhund, wir haben ihn mit 9 Wochen von einer Bekannten aus dem Wurf.

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    1. Sandra Boucek

      Liebe Blanca
      Besten Dank für Ihr Feedback zum Beitrag von Udo Ganslosser und Sophie Strodtbeck.
      Da Verhalten eine sehr komplexe Angelegenheit ist und noch viele weitere Faktoren eine Rolle spielen als die beschriebenen, können wir hier keine schlüssige Antwort geben.
      Meiner Meinung nach lohnt es sich auf jeden Fall, hier professionelle Hilfe beizuziehen. Angst ist nicht etwas, das irgendwann einfach verschwindet, zudem wird es mit zunehmendem Alter in der Regel nicht besser – im Gegenteil. Schauen Sie doch mal auf die Seite http://www.einzelfelle.de.
      Ich wünsche Ihnen und Ihrem Hund alles Gute.
      Herzliche Grüsse
      Sandra Boucek
      Chefredaktion „Schweizer Hunde Magazin“

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  10. Schenk

    Der Titel spricht ja auch von Hormonprobleme . Sind damit ausschließlich die Neigung zur Schilddrüsenunterfunktion gemeint?

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  11. Birgit-Marina Pietsch

    Ich habe den Artikel mit sehr großem Interesse gelesen. Allerdings bereitet mir die Aussage, daß Hunde der Genvariante MDR1-/- (also MDR1 betroffen) eine erhöhte Stressanfälligkeit haben sollen, erhebliche „Bauchschmerzen“. In meiner bisherigen Praxis (ich züchte Kurzhaar-Collies) konnte ich diesen Zusammenhang nicht feststellen, weder bei meinen eigenen Hunden (ich habe selbst alle drei MDR1-Genvarianten im Haus) noch bei den Hunden von zahlreichen meiner Bekannten. Eher im Gegenteil… Unsere MDR1 -/-Hündin war in allen Situationen immer die ruhigste und mutigste von allen, ähnliches habe ich auch von anderen gehört.
    Andererseits kenne ich einige recht streß- und geräuschempfindliche Hunde, die MDR1 +/+ oder +/- sind. Bei einigen von ihnen wurde auch eine Schilddrüsen-Unterfunktion festgestellt, deshalb neige ich dazu, die Ursache dafür eher dort zu suchen…

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  12. Susanne Wagner

    Ich züchte seit 12 Jahren Shelties und habe seit zwei Jahren auch eine Kurzhaarcolliehündin. Meine Zuchthündinnen (Sheltie) sind mittlerweile alle MDR-1 +/+. Trotzdem sind sie vom Verhalten sehr unterschiedlich. Eine Hündin puscht sich schnell hoch und ist ein bisschen zappelig, aber sehr anhänglich. Eine andere (nicht verwandt) ist die Rudelchefin und zwickt schon mal Kinder ein bisschen in die Wade, wenn sie zuviel bei uns rumrennen oder Ball spielen. Ansonsten ist sie sehr souverän. Die Kurzhaarcolliehündin ist MDR-1 -/- und mit Abstand die ausgeglichenste und ruhigste. Sie hat Temperament, strahlt aber trotzdem eine gewisse Ruhe aus.

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  13. Linda B.

    Sehr guter Artikel! Wirklich interessant. Ich habe einen mittlerweile 7 Jahre alten aussie- border mix. Er hat einen mdr1 +/-, also nicht ganz so schlimm. Aber er ist sehr Stressanfällig, geräuschempflichlich, hat vor vielem Angst und ist oft unsicher. Natürlich liegt das auch an mir als Halterin. Er hat öfter Durchfall und ich vermute fast, dass es teilweise psychosomatisch ist wegen dem Stress. Bei vielen anderen Hunden führt er sich total auf, knurrt und bellt. Aber ernsthaft meint er es nicht, es gab noch nie einen ernsten Zwischenfall. Langsam merke ich, dass er immer mehr Nähe braucht und nicht mehr gern alleine ist. Dieser Artikel hat viele dieser Probleme erklärt, aber ich verstehe noch nicht ganz, was man denn nun mit solchen Familien-Hütehunden machen soll, damit es ihnen besser geht und man diese Verhaltensweisen vermeiden kann. Richtig hüten lassen soll man sie nicht wie oben steht, man soll auch keinen hundesport machen weil das dieses Verhalten nur fördert wie oben steht. Was soll man denn dann machen (außer sich keinen anschaffen, wenn man keine Schafe zum hüten hat)?
    Vielen Dank!

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    1. Birgit Bartel

      Genau so habe ich den Beitrag auch empfunden. Alles ist sehr gut erklärt und schlüssig aufgeführt. Aber auch mir kommt es so vor als wäre es eine in sich unmögliche Sache einen Border Collie -egal aus welchem der aufgeführten Gründe – als zufriedenen geschweige denn glücklichen Hund zu halten. Jeder angehende Ersthundebesitzer würde sich nach dem Lesen dieser Abhandlung auf der Stelle vom BC abwenden. Das ist in den allermeisten Fällen auch gut so – ein BC ist kein Anfängerhund! Aber auch für mich tut sich die Frage auf: Was mache ich denn jetzt mit meinem Border Collie und wie mache ich es richtig? Wir sind in der glücklichen Lage zwei völlig verhaltensunauffällige Border Collie Rüden zu besitzen. Einer ist 4 Jahre und der andere, sein Halbbruder, 17 Monate. Zwei ausgeglichene kluge Hunde, der eine eine Seele auf Pfoten sogar ruhig bei Angriffen durch zwei Dackel und sehr souverän in solchen Situationen. Er reagiert erst wenn wirklich Gefahr in Verzug ist. Der andere orientiert sich an dem älteren ist aber ein völlig anderer Charakter. Wilder Charme umgibt ihn… Beide sind sehr gut sozialisiert, leben eng mit uns zusammen und ich beschäftige sie eigentlich permanent und zwar ganz einfach indem sie immer in unserer Nähe willkommen sind. Sie nehmen Teil an unserem Leben!!! Zack – zufriedene Hunde. Aber sie wären keine BCs wenn sie nicht auch eine gewisse – allerdings eben nicht zum Junkie führende- Beschäftigung brauchten. Also gibt es in unregelmäßigen Abständen Lektionen der Unterordnung, Agility, Showtrainung – die Shows selbst, um Alltag eingebautes Tricks, Spaziergänge dabei etwas Nasenarbeit und wieder Tricks. Wir haben hier zwei Hunde, die völlig in Ordnung sind , ohne Schafe oder bis zum Exzess betriebenes Training. Wir streifen täglich in unseren Wäldern herum und zu Hause ist einfach Ruhe und alles easy going. So können BCs auch sein – liegen einfach irgendwann in der Ecke und schlafen wie jeder “normale“ (lach) Hund auch. Aber der Bericht sollte ja gezielt über Problemursachen informieren und ist sehr gut geschrieben. Mein Beitrag hier sollte nur aufzeigen, dass nicht alle gestört sind – das war was mich etwas störte.

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  14. Pingback Anonymous

  15. Bärbel Jungmeier

    Liebes Team, vielen Dank für die kompetente Beschreibung eines Phänomens, das ich bei meiner Border Collie Hündin seit ihrem 6. Lebensmonat beobachte: das „Schattenjagen“ oder „Schattenhüten“. Sie hatte sich zwischenzeitlich genau zu so einer, von Ihnen beschriebenen, „durchgeknallten Suchtpatientin“ entwickelt.
    Durch ganz viel Konsequenz und spezifisches Training (Nasenarbeit, Konzentration, Spiele, körperliches Auslastung und verordnete Ruhephasen etc) haben wir es über weiter Strecken in den Griff bekommen;
    Und trotzdem: in Stresssituationen (es ist stets Ausdruck von Überforderung und nicht von Langeweile) kann es passieren, dass sie in das alte Muster zurückfällt. Und hier nun meine Frage: Beim Balljunkie lautete die Therapie die absolute Abstinenz vom Ball; nun, diese Vorgehensweise ist bei „Schatten“ nicht durchführbar, weil sie immer und überall da sein können. Haben Sie einen Tipp, welche „adäquate“ Ersatzbefriedigung für solche Situationen geeignet sein könnte? Oder ist es irgendwie möglich, die Dopaminproduktion zu verringern?
    Bin für jeden Hinweis dankbar!

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