Oh nein, bitte nicht! Da kommt ein fremder Hund!

 

Von unseren Hunden wird vieles verlangt, was nicht ihrer Verhaltensnorm entspricht. Teilweise steuern die Forderungen sogar gegen die genetischen Anlagen. Um die passenden Erziehungsmassnahmen zu finden, möchte ich Sie anregen, sich in Ihren Hund zu versetzen. Prüfen Sie, welche Vorteile ihm durch sein Verhalten entstehen und was es ihm bringen könnte, stattdessen Ihre Ideen umzusetzen. In dieser Serie erhalten Sie Anregungen, wie Sie das Verhalten Ihres Vierbeiners zu Ihren Gunsten beeinflussen können.

 

Einige Hunde sind von klein auf eher vorsichtig im Umgang mit Artgenossen. Sie lassen sich schnell einschüchtern und haben nur wenige ausgesuchte Freunde. Grundsätzlich ist das ein sehr gesundes und normales Hundeverhalten, denn genau genommen sind Hunde nicht darauf ausgelegt, täglich neue Freundschaften zu knüpfen. Die Veranlagung der meisten Hunde sieht es vor, eine stabile Beziehung mit wenigen Artgenossen aufzubauen, wo energieaufwendige Diskussionen auf Dauer ausbleiben können.

Doch Begegnungen mit fremden Hunden sind je nach Wohnort kaum ganz zu vermeiden. Zudem lassen sich nicht immer feste Hundefreundschaften knüpfen und Kontakte mit Artgenossen sollten dann nicht vollständig ausbleiben. Sozialkontakte mit fremden Hunden können durchaus zur geistigen Auslastung des Hundes hinzugezählt werden, wenn der Vierbeiner hierbei sinnvolle Erfahrungen machen kann. Sinnvoll sind solche Erfahrungen dann, wenn die Hunde flexible Verhaltensstrategien finden können, um Konflikte aufzulösen und heil aus der Begegnung zu kommen.

Das gezielte Einüben solcher Kontakte hilft dem Hund-Mensch-Team auch, mit unerwarteten Situationen zurechtzukommen und Auswege zu finden. Denn wir wissen, dass es nicht für alle selbstverständlich ist, ihre Vierbeiner zu sich zu nehmen, wenn das gewünscht wird.

 

Ängstliches Verhalten erkennen 

Der Vierbeiner verlangsamt schon von Weitem seinen Schritt, hält nach Auswegen Ausschau oder möchte nicht mehr weitergehen, sobald ein fremder Artgenosse auftaucht. Oft werden in dem Fall weitere deeskalierende Signale gesendet, wie deutliches Wegsehen vom anderen Hund, und wenn möglich einen grossen Bogen laufen. Die Rute und der Kopf werden dabei niedrig gehalten, die Ohren sind am Kopf angelegt. Bei zunehmender Angst wächst die Körperspannung und es entsteht ein leichter Buckel.

Werden diese Signale vom Gegenüber nicht als relevant wahrgenommen und kommt dieser trotzdem näher, ist es möglich, dass ängstliche Vierbeiner sich setzen oder ablegen. Je nachdem wie sicher sie in dieser Strategie sind, bieten sie die Bauchregion zur Analkontrolle dar und geben damit ihre Rechte an den fremden Hund ab.

Aus dieser sehr angespannten Situation heraus kann aber auch geknurrt und mit lautem Schnappen abgewehrt werden, wenn die fremden Hunde zu aufdringlich werden. Sobald es möglich ist, suchen diese Hunde dann ihr Heil in der Flucht.

Bei jungen Hunden überwiegt zu Beginn teilweise die unterwürfige, aber aktive Annäherung an Artgenossen. Meist ist schon dort zu erkennen, dass die Vierbeiner sich nicht richtig wohl dabei fühlen. Starkes Züngeln, flatternder Blick und eine starke Anspannung in der Situation können als Hinweise auf den Konflikt dienen, der einfach nur ausgehalten wird.

Einige junge Vierbeiner sind von Beginn an überfordert mit der schnellen und unverblümten Annäherung anderer Hunde. Sie verstecken sich hinter den Beinen des Besitzers und beginnen vielleicht zu bellen, um die Artgenossen auf Abstand zu halten.

Werden diese Signale übersehen und findet der Hund keine für sich passenden Strategien, verändert sich das Verhalten spätestens mit dem Erwachsenwerden. Hunde, die solche Situationen in den ersten Monaten noch ausgehalten haben oder sich einfach nur zu verstecken suchten, beginnen mit der Geschlechtsreife mehr und mehr für sich einzustehen und lassen sich nicht mehr alles gefallen. Im Kontakt wird vermehrt geknurrt und plötzlich beginnen die Vierbeiner andere Artgenossen mit gefletschten Zähnen laut kreischend fortzujagen.

 

Aus Opfer werden Täter 

Ängstliche Hunde kommen in Hundebegegnungen leicht mal unter die Räder. Schon die ungefragte Annäherung selbstsicherer Artgenossen ist für ängstliche Hunde ein Graus und vertieft mit jedem Mal die unangenehme Erfahrung. Zudem werden ängstliche Hunde von Artgenossen manchmal plötzlich attackiert, ohne dass hierfür ein Grund ersichtlich wäre.

Hierzu gibt es zwei Erklärungsansätze. Der eine ist, dass bei zunehmender Angst nicht mehr deeskaliert wird. Die verängstigten Hunde sind starr, halten noch aus, stehen aber kurz vor einem Angriff. Einige Rambos, die sich nicht gerne etwas sagen lassen, deuten die fehlenden Beschwichtigungssignale und die starke Anspannung als Provokation und attackieren vorsorglich, bevor sie selbst attackiert werden. (…)

 

Den vollständigen Beitrag können Sie in der Ausgabe 1/18 lesen.

 

geschrieben von:
Katrin Schuster

Katrin Schuster

Katrin Schuster ist eine erfahrene Tierverhaltenstherapeutin. Seit ihrem 13. Lebensjahr engagiert sich die heute 34-Jährige aktiv für einen «realistischen» Tierschutz. Ihre Methoden beruhen auf ganzheitlichen Ansätzen. Neben der gesundheitlichen Abklärung bei Verhaltensauffälligkeiten liegen ihr die tiergerechte Haltung sowie der respektvolle und faire Umgang zwischen Tier und Mensch am Herzen. Katrin Schuster arbeitet mit Tierpsychologen, Fachtierärzten und Tierheilpraktikern eng zusammen.

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