Was macht den guten Züchter aus?

Ob Mischling oder Rassehund – nur ein Hund, der tiergerecht und sachverständig aufgezogen wur de, startet optimal ins Le ben. Für ein harmonisches späteres Zu sam menleben von Mensch und Hund ist es wichtig, wie, wo und mit wem ein Welpe seine ersten Le bens wochen verbracht hat. Wo durch zeichnet sich ein seriöser Züchter aus? Das SHM gibt Ihnen eine Orientie rungshilfe.

Text: Denise Gaudy

Ist der Entscheid für einen Hund einmal gefallen, und ist ein Wurf zeitlich und örtlich passend geboren, haben viele Welpenkäufer oftmals nur noch Augen für die tollpatschigen Wollknäuel. Sie können es kaum mehr erwarten, bis sie das neue, herzige Hündchen mit dem treuherzigen Blick nach Hause holen dürfen. Vor lauter Verzückung wird der Verstand oftmals ausgeschaltet. Bei aller Begeisterung gilt es aber, beim Welpenkauf Augen und Ohren offen zu halten, und die Zuchtstätte des künftigen vierbeinigen Familienmitgliedes kritisch zu beurteilen. Dort wird bekanntlich ein tragfähiger und wesentlicher Grundstein für ein ganzes Hundeleben gelegt. Doch wie erkennt man, ob der Züchter alles tut für einen optimalen Start ins Leben seiner Schützlinge? Steht er dem frisch gebackenen Hundebesitzer auch nach Abschluss des Kaufvertrags mit Rat und Tat zur Seite?

Der erste Kontakt

Die meisten Interessenten haben das erste Mal Kontakt mit einem Züchter, wenn der Wunsch nach einem vierbeinigen Familienmitglied konkret wird. Häufig sind die Überlegungen zu diesem Zeitpunkt so weit fortgeschritten, dass man auch schon einzelne klare Vorstellungen von seinem zukünftigen Hund hat; gewisse Rassen kommen in Frage, andere nicht, oder vielleicht interessiert man sich für ein ganz bestimmtes Angebot – zum Beispiel in einem Inserat. Ein seriöser Züchter wird Ihnen zwar am Telefon oder sogar per E-Mail die wichtigsten Fragen beantworten. Er wird Ihnen aber bestimmt nicht auf diesem Weg einen Hund reservieren oder sogar verkaufen. Vielmehr wird er Sie einladen, sich seine Zuchtstätte und seine Hunde persönlich anzuschauen und kennen zu lernen.

Bei dieser ersten Begegnung – möglicherweise sind die zu verkaufenden Welpen noch gar nicht geboren – wird er Sie über die Rasse respektive über die von ihm gezüchteten Hunde und deren Elterntiere informieren. Diesbezüglich macht er Sie – ohne Schönfärberei – aufmerksam auf Vorund Nachteile der Rasse, Eigenschaften und Eigenheiten, Veranlagungen, rassespezifische Krankheiten oder Gendefekte, Eignung und mögliche Probleme. Er wird Sie ebenfalls informieren über seine persönlichen Zuchtziele oder diejenigen des zuständigen Rasseclubs. Zudem wird er Voraussetzungen nennen, die der ideale Hundehalter erfüllen sollte, damit jeder einzelne Welpe das werden kann, was der Halter von ihm später erwartet. Bei diesem persönlichen Treffen haben Sie Gelegenheit zu entscheiden, ob diese Art von Hundeaufzucht für Sie stimmt oder nicht, und ebenso wird der Züchter signalisieren, ob er Ihnen einen Hund anvertrauen möchte oder nicht. Vielleicht lädt er Sie sogar auf einen gemeinsamen Spaziergang mit den in seiner Haushaltung lebenden Hunden ein – eine ideale Gelegenheit, ein unverbindliches Gespräch zu führen und sich gleichzeitig ein Bild von den Hunden ausserhalb der betreffenden Zuchtstätte zu machen.

Wichtig: Der Gesamteindruck

Sind die Hündchen einmal geboren, wird der verantwortungsvolle Züchter Sie nicht gleich am ersten Lebenstag der Welpen ans Wurflager kommen lassen. Die ersten zwei bis drei Wochen gehören der Hündin und ihren Jungen – zu Gunsten einer ungestörten, stressfreien Säugezeit. Danach sind Sie bestimmt jederzeit herzlich willkommen – und zwar mit der ganzen Familie und eventuell auch mit gesunden und instinktsicheren Hunden, die in Ihrer Haushaltung leben. Eine Mutterhündin, die Vertrauen zu ihrem Halter hat, wird nicht aggressiv auf fremde Personen und Hunde reagieren, insofern diese die Intimsphäre der Hündin mit den Welpen respektieren. Viel Besuch von unbekannten Menschen – Kindern, Männern, Frauen und älteren Personen – sowie gut sozialisierte, fremde Hunde wirken sich nur positiv auf die Entwicklung der Welpen aus. Hinzu kommt, dass sich ein seriöser Züchter während Ihrem Besuch Zeit für Sie nehmen wird, um Sie optimal auf das bevorstehende Zusammenleben mit einem Hund vorzubereiten. Seien Sie kritisch, wenn der Züchter die anderen Hunde, die in seinem Haus leben, oder sogar die Mutterhündin, wegsperrt. Fragen Sie ihn, wie er seine erwachsenen Hunde (auch die alten) beschäftigt. Sind alle Hunde gepflegt und gut genährt? Machen sie einen gesunden Eindruck? Sind sie aufmerksam, freundlich und zutraulich?

Tiergerechte Aufzucht

Ein sachverständiger Züchter scheut keine Kosten, um dem Wurf einen grosszügig angelegten, abwechslungsreich eingerichteten Welpenauslauf zu bieten mit ausgewählten Spielzeugen und -geräten sowie zahlreichen optischen und akustischen Reizgegenständen. Ebenso verfügt die Zuchtstätte über mehrere trockene, geschützte und gut isolierte Lagerplätze und Unterschlüpfe drinnen und draussen. Die Welpen sollen die Möglichkeit haben, sich fernab vom Liege- und Spielplatz zu versäubern. Die ganze Anlage ist gepflegt und sauber, die Welpen werden artgemäss gefüttert, haben immer frisches Wasser zur Verfügung und werden regelmässig entwurmt, gemäss den tierärztlichen Empfehlungen geimpft und vor der Abgabe mit einem Mikrochip versehen. Selbstverständlich erhalten Sie vom Züchter alle entsprechenden Dokumente, wenn Sie den Hund abholen. In einer Zuchtstätte, in der die Entwicklungsschritte und Bedürfnisse der Tiere ernst genommen werden, unternimmt der Züchter mit den Welpen spätestens ab der achten Lebenswoche regelmässig kleinere Erlebnis-Spaziergänge ausserhalb des Welpengeheges. Auch Ausflüge im Auto in der nahen Umgebung verbunden mit positiven Begegnungen sind möglich. So haben die jungen Hunde Gelegenheit, in der vertrauten Gruppe der Geschwister und in Begleitung der Mutter neue positive Erfahrungen zu sammeln.

Seriöse Züchter nehmen die Welpen auch öfters grüppchenweise oder einzeln in die Wohnung, wo sie mit dem Alltagsleben einer Familie vertraut gemacht werden. Im Alter von etwa neun Wochen werden die jungen Hunde allmählich ans Halsband gewöhnt und auf dem Rückweg vom Ausflug, wenn sie schon etwas müde sind, kurz angeleint. Beim Laufen in der Gruppe und neben erwachsenen, vertrauten Hunden fällt das Gehen an der Leine leicht und wird innert kürzester Zeit zur Selbstverständlichkeit. Seriös aufgezogene Junghunde sind auch vertraut mit der Fellbürste, lassen sich die Zähne kurz kontrollieren und ohne Scheu oder Angst an allen Körperstellen anfassen.

Auch in Zukunft für Sie da

Der Tag, an dem Sie Ihren Welpen abholen können, ist ganz bestimmt ein Freudentag. Niemand denkt in diesem Moment an gesundheitliche, erzieherische, haltungsbedingte oder auch familiäre Schwierigkeiten, die im Zusammenhang mit dem Hund auftreten könnten. Ebenso ist man zu diesem Zeitpunkt voller Euphorie: Alle Fragen wurden gestellt und beantwortet, die wichtigsten Bücher sind gelesen, und ganz allgemein hat man sich in jeder Beziehung optimal auf den Hund vorbereitet. Trotzdem ist es wichtig, dass Ihnen der Züchter Ihres Hundes zusichert, auch später immer mit Rat und Tat für Sie da zu sein. Er soll für Sie Vertrauensperson und erste Ansprechperson für Fragen rund um den Hund sein. Es vergeht kein Hundeleben, ohne dass Sie nicht einmal angewiesen wären auf einen guten Tipp. Der Züchter ist der Kenner der von ihm gezüchteten (Rasse)hunde. Ein seriöser Züchter übernimmt auch Verantwortung und hilft, wenn ein Hund aus seiner Zucht aus irgendeinem Grund umplatziert werden muss.

SHM-Hinweise

Ein seriöser Züchter hat so viele Hunde, wie er regelmässig Zeit für die individuelle Betreuung seiner Tiere aufwenden kann. Idealerweise haben Hunde Familienanschluss. Die Annahme, dass Hunde im Zwinger „abgehärtet“ werden müssen, ist verwerflich und veraltet.

Eine gute Hundezucht mit höchstens zwei Würfen pro Jahr unterscheidet sich von einer Tierproduktionsstätte, in der individuelle Betreuung unmöglich ist! Ein seriöser Züchter verzichtet auch einmal auf Welpen, wenn er im Vorfeld der Paarung keine Kaufinteressenten für den geplanten Wurf hat. Ein seriöser Züchter gibt den Wurf nicht vor der zehnten Lebenswoche ab. So verlangt es das Zucht reglement der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft SKG. Einige Zuchtreglemente von Rasseklubs verlangen eine noch restriktivere Praxis, was den Zeitpunkt der Welpenabgabe betrifft.

Die werfende und säugende Hündin wird nie weggesperrt! Ein Ausstieg aus der Welpenanlage oder ein Platz, wohin sie sich freiwillig zurückziehen kann, muss ihr jedoch angeboten werden. Ein guter Rasseclub führt bis zu drei Wurfkontrollen durch und erstellt ein schriftliches Wurf abnah me protokoll. Ein seriöser Züchter unterzieht sich zudem der freiwilligen Zuchtstättenkontrolle durch die SKG oder lässt sich anderweitig (z. B. bei Certodog) zertifizieren. Verlangen Sie Einsicht in die entsprechenden Berichte. Lassen Sie sich erklären, wie der Züchter den Welpenpreis rechtfertigt. Nur Welpen mit SKG-Abstammungsurkunden, die in einer offiziell kontrollierten Zuchtstätte aufwachsen, mit hochwertigem Qualitätsfutter ernährt werden, zehn oder noch mehr Wochen beim Züchter verbringen, fachgemäss entwurmt, geimpft und mit einem Mikrochip versehen sind, kosten zwischen 1500 und 1800 Franken. Einige Rasseclubs geben jährlich eine Empfehlung für den Welpenpreis ab. Ein seriöser Züchter hält sich an diesen Preis.

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3 Kommentare zu “Was macht den guten Züchter aus?

  1. Jörg Willi

    Ich bin weitestgehend mit den genannten Kriterien einverstanden, nicht aber mit der Behauptung, dass nur Welpen mit SKG-Urkunde ihren Preis wert sind. Nicht das „Papier“ (die Abstammungsurkunde) macht den Wert aus, sondern die Elterntiere und die Aufzucht der Welpen sowie, die Seriosität und Erfahrung des Züchters. Es gibt nicht wenige SKG-Züchter, die allein deshalb „mit Stammbaum züchten“, weil sie sich dadurch einen Preisvorteil versprechen.

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    1. P. Hidber

      Da gehe ich mit Herrn Willi absolut einig. Als Liebhaberin und angehende Züchterin der Mini American Shepherd (Mini Aussie) kann ich die Hunde nicht mit SKG anerkannten Papieren verkaufen, da von der FCI noch nicht anerkannt. Ich schätze aber meinen Aufwand betr. Gesundheit, Aufzucht und Seriosität nicht geringer ein. Die Papiere sind damit verglichen vergleichsweise ein kleiner Aufwand.

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    2. Theresa Martin

      klar, eine SKG urkunde ist auch nur ein papier, jedoch hat man somit eine gewissheit, dass bestimmte richtlinien eingehalten wurden. nichts desto trotz sollte man sich den züchter vor dem kauf eines hundes genauer unter die lupe nehmen.

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