Knurren, Zähne blecken, schnappen, beissen – Wenn Hunde ihre Meinung sagen

Von unseren Hunden wird vieles verlangt, was nicht in ihrer Verhaltensnorm enthalten ist. Teilweise steuern die Forderungen sogar gegen die genetischen Anlagen. Um die passenden Erziehungsmassnahmen zu finden, möchte ich Sie anregen, sich in Ihren Hund zu versetzen. Prüfen Sie, welche Vorteile ihm durch sein Verhalten entstehen und was es ihm bringen könnte, stattdessen Ihre Ideen umzusetzen. In dieser Serie erhalten Sie Anregungen, wie Sie das Verhalten Ihres Vierbeiners zu Ihren Gunsten beeinflussen können. 

Als kleines Kind wollte ich mit dem Dackel spielen, der zu Besuch kam. Der verzog sich jedoch mit einem Leckerbissen unter den Tisch und quittierte meine respektlose Annäherung mit einem Biss ins Gesicht, begleitet von lautem Getöse. Gemeldet wurde dieser Vorfall nicht: Den Verantwortlichen war bewusst, dass Eigenverschulden der Grund für die Attacke war.

Ein Hund, der sich heute mit den Zähnen zur Wehr setzt, muss dagegen mit starken Sanktionen rechnen. Dabei spielt es nur eine untergeordnete Rolle, ob die Attacke einem Artgenossen galt oder einem Menschen, ob der Hund aus Selbstschutz reagierte oder aus einer anderen Motivation heraus aktiv wurde. Die Angst vor möglichen aggressiven Auseinandersetzungen lähmt heutige Hundehalter zunehmend und lässt kaum noch einen natürlichen Umgang mit den Vierbeinern zu. Es wäre wünschenswert, wenn die derzeitige Dramatik abklingen und eine realistische Einschätzung von Gefahrensituationen in den Vordergrund rücken würde.

Aggression gehört zum Normalverhalten

Katzen kratzen, Vögel picken und selbst die sanften Kaninchen können recht schmerzhafte Bisse verursachen. Auch der Mensch ist nicht ungefährlich. Neben den angeborenen Möglichkeiten verfügt er über zahlreiche technische Waffen. Im Allgemeinen dienen Waffen der Selbstverteidigung und zur Sicherung wichtiger Ressourcen gegenüber Konkurrenten. Raubtiere und Menschen nutzen diese zusätzlich zum Töten und Zerlegen von Beutetieren. Der Gebrauch von Waffen wird in der Regel sorgfältig abgewägt. Die Gegenwehr des angegriffenen Tieres kann schliesslich schmerzhafte und durchaus lebensbedrohliche Folgen nach sich ziehen. Um auf eine Bedrohung zu reagieren, stehen grundsätzlich vier Strategien zur Verfügung. Im Englischen spricht man von den «4 Fs»:

  • Flight beschreibt die Distanzvergrösserung durch Flucht. Ist es möglich, sich in Sicherheit zu bringen, wird diese Strategie von den meisten Tieren bevorzugt. Aus einer geschützten Position heraus kann der bedrohliche Reiz beobachtet und analysiert werden.
  • Flirt oder fiddle about bezeichnet das spielerisch anmutende Herumhopsen, wenn Tiere sich nicht zwischen Flucht und Angriff entscheiden können. Diese Reaktion zeigt sich oft, wenn die Bedrohung in der Nähe wichtiger Ressourcen auftaucht, die das Tier nicht verlassen möchte oder als Konflikt zwischen Neugier und Furcht. (…)

 

Lesen Sie den vollständigen Artikel in der Ausgabe 6/16 des «Schweizer Hunde Magazins».

geschrieben von:
Katrin Schuster

Katrin Schuster

Katrin Schuster ist eine erfahrene Tierverhaltenstherapeutin. Seit ihrem 13. Lebensjahr engagiert sich die heute 34-Jährige aktiv für einen «realistischen» Tierschutz. Ihre Methoden beruhen auf ganzheitlichen Ansätzen. Neben der gesundheitlichen Abklärung bei Verhaltensauffälligkeiten liegen ihr die tiergerechte Haltung sowie der respektvolle und faire Umgang zwischen Tier und Mensch am Herzen. Katrin Schuster arbeitet mit Tierpsychologen, Fachtierärzten und Tierheilpraktikern eng zusammen.

Ihre Meinung interessiert uns – Kommentar schreiben


Name (erforderlich)

Webseite