Der tut nix, der will nur spielen! – Hundekontakte mit «Tutnixlern» meistern

Von unseren Hunden wird vieles verlangt, was nicht in ihrer Verhaltensnorm enthalten ist. Teilweise steuern die Forderungen sogar gegen die genetischen Anlagen. Um die passenden Erziehungsmassnahmen zu finden, möchte ich Sie anregen, sich in Ihren Hund zu versetzen. Prüfen Sie, welche Vorteile ihm durch sein Verhalten entstehen und was es ihm bringen könnte, stattdessen Ihre Ideen umzusetzen. In dieser Serie erhalten Sie Anregungen, wie Sie das Verhalten Ihres Vierbeiners zu Ihren Gunsten beeinflussen können.

Verschiedene Hundetypen zeigen eine schnelle, frontale Annäherung an Artgenossen, die sich beim tatsächlichen Kontakt meist in mehr oder weniger freundliches Geplänkel auflöst. Viele dieser Annäherungen sind alles andere als freundlich, auch wenn der dadurch entstehende Konflikt nicht unbedingt aggressiv geklärt werden muss. Doch es gibt auch die echten Tutnixler, die wirklich nichts Böses im Sinn haben und trotzdem nicht immer auf Gegenliebe stossen. Was es damit auf sich hat und wie Hundehalter damit umgehen können, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Grundsätzlich ist eine frontale, schnelle und ungebremste Annäherung unter Hunden nicht als freundlich zu werten. Echte Tutnixler schicken aber die Botschaft ihrer freundlichen Absicht meist schon durch ihre Körpersignale voraus:

• Die Rute wird niedrig gehalten und wedelt dabei aufgeregt.
• Ein deutliches Ohrenspiel ist zu erkennen oder die Ohren sind angelegt.
• Der Hund wird während der Annäherung immer kleiner und schaut von unten zum Artgenossen auf.

Spätestens wenn sie den fremden Vierbeiner erreicht haben, machen sich die Tutnixler klein und versuchen eine sehr aufdringliche, aufgeregte Kontaktaufnahme. Dabei lassen sie sich nur schwer ausbremsen. Auf unfreundliche Antwort des belästigten Vierbeiners legen sie sich kurz deeskalierend auf den Rücken, um anschliessend eine noch aktivere Kontaktsuche zu versuchen. Mit Hingabe versuchen sie dessen Maul zu schlecken und winden sich vor dem genervten Artgenossen, um freundliche Kontakte zu erbetteln.

Das Hüpfen dieser Hunde in der Vorderkörpertiefstellung lässt viele darauf schliessen, dass sie den Artgenossen zum Spiel auffordern wollen. Tatsächlich handelt es sich hier jedoch um die Strategie «Flirt» oder «Fiddle about», wenn die Antwort des Gegenübers nicht deutlich positiv ausfällt. Das heisst nicht, dass sich daraus nicht ein Spiel entwickeln kann, jedoch entsteht das Verhalten primär aus einer gewissen Verunsicherung heraus.

Verjugendlichtes Verhalten
Bei jungen Hunden bis zum fünften oder sechsten Lebensmonat und teils auch etwas länger ist dieses Verhalten rasseübergreifend typisch. Es entspricht der aktiven Demut, die bei Wölfen noch einen biologischen Zweck erfüllte. Es wird beschrieben, dass erwachsene Wölfe nach längerer Abwesenheit zum Rudel zurückkehren und die Jungtiere noch nicht kennen. Das beschriebene submissive Verhalten zeichnet die neuen Rudelmitglieder als «noch nicht vollwertig» und somit ungefährlich aus. Damit werden sie leichter von den zurückkehrenden Wölfen akzeptiert.

Gegenüber erwachsenen Tieren gehört die aktive Demut auch zum Futterbetteln. Die von der Jagd zurückkehrenden Artgenossen werden so lange im Mundwinkel geschleckt und belästigt, bis sie vorverdaute Nahrung hervorwürgen. Später bleibt dieses Verhalten als sehr unterwürfiges Betteln um Zuwendung auch bei erwachsenen Wölfen erhalten, dann aber nur gegenüber bekannten Artgenossen mit meistens höherem Status und weniger intensiv. (…)

Den vollständigen Beitrag können Sie in der Ausgabe 8/17 lesen.

geschrieben von:
Katrin Schuster

Katrin Schuster

Katrin Schuster ist eine erfahrene Tierverhaltenstherapeutin. Seit ihrem 13. Lebensjahr engagiert sich die heute 34-Jährige aktiv für einen «realistischen» Tierschutz. Ihre Methoden beruhen auf ganzheitlichen Ansätzen. Neben der gesundheitlichen Abklärung bei Verhaltensauffälligkeiten liegen ihr die tiergerechte Haltung sowie der respektvolle und faire Umgang zwischen Tier und Mensch am Herzen. Katrin Schuster arbeitet mit Tierpsychologen, Fachtierärzten und Tierheilpraktikern eng zusammen.

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