Degility – eine sinnvolle Beschäftigung für alle Vierbeiner

Gefällt Ihnen Agility und Sie schauen gerne zu, wie Zwei- und Vierbeiner mit Freude und Begeisterung den Parcours bewältigen? Doch Ihr Vierbeiner ist älter, hat Gelenkprobleme, gehört eher zu den gemütlicheren Hunden oder überdreht im Agility-Parcours bis zur Unansprechbarkeit? Oder Sie haben ein Handicap, das Sie in der Beweglichkeit einschränkt? Mit der neuen «Sportart» Degility schliesst sich eine Lücke.

 

Wer hat’s erfunden?

Degility kommt ursprünglich aus Deutschland und ist dort schon sehr verbreitet. In der Schweiz steckt diese neue Beschäftigungsmöglichkeit noch in den Kinderschuhen und wird noch nicht von vielen Hundeschulen angeboten. Alexandra Sgier, Hundephysiotherapeutin und Degility-Trainerin, ist eine von diesen wenigen. Sie bietet Degility in Hintermoos im Kanton Luzern an. 

 

Was ist Degility?

Degility bietet viele Bewegungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Es ist eine Kombination aus Agility, Mobility, Konzentrationstraining und Bindungsarbeit. Der Degility-Parcours beinhaltet verschiedene Geräte, die abgestimmt auf jeden einzelnen Hund eingesetzt werden. Daraus ergeben sich vielfältige Übungsmöglichkeiten, die Gleichgewicht, Koordination, Körperbewusstsein, Muskelaufbau, Konzentrationsfähigkeit und auch das Selbstbewusstsein fördern. Zeit spielt beim Absolvieren der Hindernisse überhaupt keine Rolle, denn es geht vor allem darum, dass der Hund die Übungen korrekt und ruhig ausführt. Daher wird ein «Turbohund» auch mal gebremst, sodass er sein Tun wahrnimmt und konzentrierter arbeitet. Ein eher vorsichtiger, zurückhaltender Vierbeiner fasst mehr Selbstvertrauen, wenn er ein als zuerst unüberwindbar eingeschätztes Hindernis mithilfe seines Besitzers bewältigt hat.

Der Parcours beim Degility ist völlig variabel und ohne festes Schema; es gibt sich wiederholende Elemente, die immer wieder anders zusammengestellt werden. Mit speziellen Degility-Hindernissen, aber auch mit zahlreichen Alltagsgegenständen lassen sich interessante Übungen gestalten. Der Parcours gleicht mehr einem Abenteuerspielplatz als einem Agility-Parcours und ist durch die vielen Gestaltungsmöglichkeiten für jeden Hund machbar. Ruhiges, langsames und konzentriertes Arbeiten ist das Ziel. «So lernen die Vierbeiner ihre Beine gezielt einzusetzen und gewinnen Körperbewusstsein, Konzentrationsfähigkeit und Selbstvertrauen», so Sgier.

 

Wie fängt man an?

Wie so oft führen verschiedene Wege zum Ziel. Für Alexandra Sgier ist der Aufbau mittels Clicker und dem freien Formen ideal: «So denkt der Hund mit und lernt von Anfang an, die Hindernisse bewusst zu bewältigen.» Natürlich kann man den Hund auch mittels Zeigen und Locken über die Hindernisse führen und Futter zur Hilfe nehmen. Spielzeuge sind weniger geeignet, da der Vierbeiner dann eher aufdreht und zu schnell wird.

 

Das Beherrschen dreier Grundkommandos ist hilfreich:

  • «Auf» (sich mit den Vorderpfoten auf etwas stellen)
  • «Tisch» (sich mit allen vieren auf etwas stellen)
  • «Hinten» (sich mit den Hinterbeinen auf etwas stellen)

Je besser der Vierbeiner die Grundkommandos beherrscht, die auch gut zu Hause geübt werden können, desto einfacher wird das Erarbeiten der Geräteübungen.

 

Was bringt das?

Verschiedene Geräte und Übungen fördern das Teamwork zwischen Mensch und Hund. Ein sinnvoll gestalteter Parcours mit fachlicher Anleitung bietet jedem Hund, egal ob jung oder alt, ob gesundheitlich auf der Höhe oder mit Einschränkungen, eine interessante Beschäftigung, die sich positiv auf Körper und Geist auswirkt. Dieses Training schult die Motorik, den Gleichgewichtssinn und die Muskulatur.

Kranke Hunde profieren von den speziell auf sie abgestimmten Übungen. Sie werden schneller wieder gesund oder bleiben länger auf einem guten Level. Gesunde Hunde können so ihr Körperbewusstsein trainieren und Muskeln aufbauen. Ängstliche oder unsichere Vierbeiner gewinnen durch das Bewältigen von Aufgaben an Selbstvertrauen. Schnell gestresste, hyperaktive Hunde lernen Ruhe zu bewahren. Und für alle Hundetypen gilt: Bewusste gemeinsame Unternehmungen von Hund und Halter stärken die Bindung.

 

Für wen geeignet?

Da es beim Degility nicht um Geschwindigkeit geht und die Übungen dem Tier angepasst werden, kann fast jeder Hund mitmachen. Auch ältere Hundehalter oder solche, die körperlich nicht besonders belastbar sind beziehungsweise ein Handicap haben, können mit ihrem Vierbeiner den Parcours bewältigen. Wichtig sind die Freude, mit dem Hund gemeinsam etwas zu unternehmen, sowie Geduld und Ruhe, dem Vierbeiner zu zeigen, was von ihm erwartet wird.

 

Worauf ist zu achten?

Bei den einzelnen Übungen ist auf die körperliche Fitness des Hundes Rücksicht zu nehmen. Die Übungen sollen den psychischen und physischen Möglichkeiten des Vierbeiners angepasst werden. Gerade bei Einsteigern ist Zurückhaltung wichtig, denn auch Hunde können Muskelkater bekommen oder durch die vielen neuen Aufgaben und Eindrücke überfordert werden.

Idealerweise hat der Degility-Trainer ein breites Wissen über die Biodynamik des Hundes und verfügt über entsprechende Ausbildungen. Das ist besonders wichtig, wenn mit kranken oder behinderten Vierbeinern trainiert wird. «Sicherheit hat erste Priorität», so Alexandra Sgier. Deshalb legt sie Wert darauf, dass die Hunde mit einem gut sitzenden Brustgeschirr teilnehmen, sodass ein aus der Balance gekommener Hund jederzeit mit einem Griff gesichert werden kann oder der unsichere Vierbeiner zum Beispiel über die Wackelbrücke geführt wird. Die Geräte müssen rutschfest sein und das Training der Witterung angepasst.

Ehrgeiz ist hier fehl am Platz. Es geht um das gemeinsame, ruhige Erarbeiten der Übungen und Bewältigen der Hindernisse.

 

Text und Fotos: Sandra Boucek

Hier können Sie den Artikel aus dem Magazin als PDF ansehen

geschrieben von:
Sandra Boucek

Ihre Meinung interessiert uns – Kommentar schreiben


Name (erforderlich)

Webseite