Das Zuchtwesen kommt an eine kürzere Leine

Drei Änderungen der Tierschutzverordnung sorgen für heftige Diskussionen. Bei deren Vernehmlassung sind mehrere Hundert Stellungnahmen eingegangen. Im Fokus steht das Zuchtwesen. Mit schärferen Bestimmungen will man die Zahl der durch Qualzucht beeinträchtigten Tiere reduzieren.

Text. Roman Huber

Wer als Hundehalter, Ausbildner oder Züchter auf der sicheren Seite sein will, tut gut daran, sich jeweils über Neuerungen in der Tierschutzverordnung ins Bild zu setzen. Bis Ende Juli konnten sich Kantone und interessierte Organisationen zu den jüngsten Änderungen äussern. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) wird nun die vielen Stellungnahmen prüfen. Ob die Zeit reicht, die Änderungen per 1. Januar 2015 in Kraft zu setzen, ist noch offen.

Bereits das Tierschutzgesetz von 2008 hält Grundsätze zum Züchten fest (Art. 10, Tierschutzgesetz, Art. 25–29 Tierschutzverordnung). So darf ein Tier durch die Zucht nicht leiden oder in seiner Würde verletzt werden. Jetzt sollen die Grundsätze so konkretisiert werden, dass sie für die Züchter gut umsetzbar und für vollziehende Organe gut kontrollierbar sind. Die Verordnung listet belastende Merkmale auf, die erblich bedingt sein können, und versucht zu definieren, wie stark ein Tier dadurch belastet wird. Davon macht die neue Bestimmung abhängig, ob ein Tier überhaupt zur Zucht eingesetzt werden darf.

Belastungssymptome sind aufgelistet

Neu müssen Zuchtverantwortliche notwendiges Wissen vorweisen. Zuchtorganisationen haben Massnahmen gegen belastende Merkmale zu treffen und die Erfolgsdaten zu sammeln (Pflichten beim Züchten, Art. 1). In seiner Stellungnahme fordert der Verband Kynologie Ausbildungen Schweiz (VKAS), den Züchtern eine Fachperson beizustellen. Der VKAS warnt jedoch davor, die Zuchtbasis einzuschränken, befürchtet er – wie auch die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) – doch dadurch vermehrte Inzuchtfälle.

Die Belastung umfasst die Kriterien Schmerzen, Schäden, Leiden, Angst, Verhaltensstörungen, tiefgreifende Eingriffe ins Erscheinungsbild und in die Fähigkeiten, übermässige Instrumentalisierung sowie Erniedrigung. Die Belastung ist in vier Kategorien (0 = keine bis 3 = starke) eingeteilt. Die Merkmale und Symptome betreffen Bewegungs-und Stützapparat (z. B. degenerative Gelenkschäden), Kopf (Atemfähigkeit etc.), Sinnesorgane (Taubheit etc.), Haut (übermässige Faltenbildung etc.), Fell und Krallen, Gehirn und Nervensystem (fortschreitende Rückenmarkserkrankung etc.), übrige Organsysteme (Grey-Collie-Syndrom: gestörte Stammzellbildung, damit hohe Anfälligkeit für Infektionen etc.) sowie Verhaltensstörungen.

Die Zucht mit «nicht» oder «erblich leicht» belasteten Tieren ist uneingeschränkt möglich, bei «mittel» oder «stark» ist der Zuchteinsatz nur beschränkt möglich. Die Beurteilung obliegt einer Fachperson. Hier fordert Tier im Recht den Einsatz von Amtspersonen, weil man bezweifelt, dass in der Privatwirtschaft eine Fachperson ein Zuchtverbot aussprechen würde, wenn sie dadurch Kunden verlieren könnte.

Lesen Sie den ganzen Artikel von Roman Huber im Schweizer Hunde Magazin 7/2014.

geschrieben von:
Roman Huber

Roman Huber

Roman Huber ist Publizist, Hunde- sowie Medienfachmann, hat zwei Hunde und unterstützt als Trainer seine Frau in deren Hundeschule. Er plädiert für eine faire Erziehung bzw. Haltung, die den Bedürfnissen und Möglichkeiten des einzelnen Hundes und dessen Menschen entspricht. Statt Methoden stellt er die individuelle Begleitung ins Zentrum und Lösungen, die auf Ursachenanalyse basieren sowie verhaltensbiologisch gesehen korrekt sind. www.dogrelax.ch.

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