«Barry on tour» – Zehn Jahre Schweizer Kulturgut

DAS SCHNAPSFÄSSCHEN

Oft sieht man Bernhardiner mit einem Fässchen am Hals. Das Schnapsfässchen ist auf eine Legende zurückzuführen, die von Soldaten Napoleons nach der Passüberquerung erzählt wurde. Die Rettungshunde hätten darin Schnaps mitgeführt, damit habe man Lawinenopfer oder solche, die fast erfroren waren, mit dem hochprozentigen Inhalt schneller und besser zum Leben erweckt.

Text: Roman Huber

Mit mindestens 70 (Rüde) oder 65 Zentimetern (Hündin) Risthöhe respektive 75 bis 85 (Hündin: 50 bis 70) Kilogramm Körpergewicht sind sie unübersehbar, die Bernhardiner oder St. Bernhardshunde. Trotz ihrer stattlichen Grösse gelten sie als gutmütig, und mit ihrem berührenden Hundeblick wissen sie die Menschen zu betören. Auch die legendären Hospizhunde auf dem Grossen St. Bernhard gehören zu dieser Rasse. Um sie kümmert sich seit zehn Jahren die Fondation Barry. Die Augustiner Chorherren waren zunehmend überfordert, neben dem Gasthaus auf dem Hospiz noch die Hundezucht zeitgemäss zu führen. Im Frühjahr 2005 schaltete sich die frisch gegründete Fondation Barry ein. Sie übernahm die 300 Jahre alte Hundezucht und verlegte sie ins Musée et Chiens de Saint-Bernard in Martigny. Einige Hunde sind während der warmen Jahreszeit immer noch als Touristenattraktion auf dem Grossen St. Bernhard anzutreffen.

Die Zahl der Hunde hat sich seit 2005 auf über 30 verdoppelt. Drei Viertel davon sind kurzhaarig, wie es für die Retter in Nebel, Sturm und Schnee ideal ist. Ein Viertel sind Langhaar-Hunde. In den zehn Jahren hat sich auch der personelle Aufwand der Stiftung um das Zehnfache vergrössert, das Budget gar um das Zwangzigfache. «Ohne die rund 80 000 Spenderinnen und Spender könnte die Stiftung gar nicht existieren», erklärt der Geschäftsführer Ruedi Thomann.

Kampf gegen unerwünschte Zuchterscheinungen

Um die Bernhardiner und ihre Entwicklung stand es lange Zeit gar nicht zum Besten. Präparate und alte Fotos zeigen den «Barry» von einst in andern Proportionen als heute. Aus dem athletischen Bernhardiner führte
die Zucht weg zu einem schwergewichtigen, massigen Hund. Übertriebene Eigenschaften bei den Rassestandards, von Ausstellungsrichtern noch falsch interpretiert, führten zu dieser ungesunden Entwicklung.

Die Züchter fokussierten sich auf grosse Köpfe und vernachlässigten den Bewegungsapparat. Das Resultat waren ungelenke, massige Hunde mit unsicherem Gang, die zudem unter Hüftgelenkdysplasien und losen
Ellbogen litten. Die Bernhardiner entfernten sich vom Urtyp, verloren ihre Lauffreude und wurden behäbig. Dadurch sank die Lebenserwartung auf acht Jahre.

Mit den mächtigen Köpfen ist es zu übermässigen Faltenbildungen mit langen Lefzen und hängenden Augenlidern gekommen, die längliche Schnauze wurde zurückgebildet, was die Atmung erschweren kann. Die häufigsten schädlichen Folgen sind nach aussengerollte untere Augenlider (Ektropium) und manchmal nach innen gerollte obere Lider (Entropium). Ursache kann auch eine zu grosse Lidspalte (Makroblepharon) sein. Das führt zu Reizungen der Hornhaut und kann die Sehfähigkeit einschränken. Stark gerötete Augen sind schmerzhaft, leider aber zum Markenzeichen des Bernhardiners geworden. Solche Augenprobleme müssen medizinisch behandelt oder operativ behoben werden.

Sogar ein «Amerikaner» hilft mit

«Unsere Mission ist es, den Fortbestand der berühmten Hunde zu sichern und den typischen Hospiz-Hund zu erhalten», erklärt Ruedi Thomann. Er spricht von einem schützenswerten Schweizer Kulturgut. Die Zucht erfolge heute nach ethischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen, und zeitige bereits Erfolge. Thomann: «Gut drei Viertel unserer Bernhardiner entsprechen heute dem Ideal.»

Lesen Sie den ganzen Artikel von Roman Huber im Schweizer Hunde Magazin 2/2015.

geschrieben von:
Roman Huber

Roman Huber

Roman Huber ist Publizist, Hunde- sowie Medienfachmann, hat zwei Hunde und unterstützt als Trainer seine Frau in deren Hundeschule. Er plädiert für eine faire Erziehung bzw. Haltung, die den Bedürfnissen und Möglichkeiten des einzelnen Hundes und dessen Menschen entspricht. Statt Methoden stellt er die individuelle Begleitung ins Zentrum und Lösungen, die auf Ursachenanalyse basieren sowie verhaltensbiologisch gesehen korrekt sind. www.dogrelax.ch.

Ihre Meinung interessiert uns – Kommentar schreiben


Name (erforderlich)

Webseite