«Auf Augenhöhe mit dem Hund» – Von leckeren Pferdeäpfeln und feinen Duftnoten

Von unseren Hunden wird vieles verlangt, was nicht in ihrer Verhaltensnorm enthalten ist. Teilweise steuern die Anforderungen sogar gegen die genetischen Anlagen. Um die passenden Erziehungsmassnahmen zu finden möchte ich Sie anregen, sich in Ihren Hund zu versetzen. Prüfen Sie, welche Vorteile ihm durch sein Verhalten entstehen und was es ihm bringen könnte, stattdessen Ihre Ideen umzusetzen. In dieser Serie erhalten Sie aufbauend Anregungen, wie Sie das Verhalten Ihres Vierbeiners zu Ihren Gunsten beeinflussen können.

Text: Katrin Schuster

Unrat fressen und sich wälzen

Viele Hundehalter können ein Lied davon singen. Ob fressen oder sich darin wälzen, Sie können es sich aussuchen, was Sie lieber haben möchten. Einige Hunde bevorzugen Katzen- oder Menschenkot, andere sind weniger wählerisch und freuen sich über jegliche Geschmacksrichtung von Artgenossen, Katzen, Pferden oder Schafen. Auch anderer Unrat wird selten ausgelassen. Die Sorge bezüglich übertragbarer Krankheiten und Vergiftungen ist sicherlich berechtigt, doch unsere Vierbeiner teilen diese nicht.

Die Bedeutung des Wälzens ist noch nicht eindeutig geklärt. Einzig sicher ist, dass individuell bevorzugte Gerüche das Wälzvergnügen des Hundes anregen. Die Betonung liegt auf Vergnügen, denn für die Hunde ist dieses Verhalten höchst lohnenswert! Leider handelt es sich meist um Duftnoten, die den menschlichen Nasen weniger Freude bereiten. Einige Hunde wälzen sich auch, als Übersprunghandlung, vermehrt in Konfliktsituationen. Dies sollte bei der Bearbeitung des Themas berücksichtigt werden.

Durch das Fressen von Kot könnten Hunde Darmbakterien aufnehmen, die die eigene Darmflora bei der Verdauung unterstützen. Zusätzlich enthält der Kot vorverdaute Nährstoffe, die leichter verwertet werden können als das verfügbare Hundefutter. Bakterien im Darm sind ausserdem für die Produktion verschiedener Vitamine zuständig, die teils über den Kot wieder ausgeschieden werden. So kann Kot durchaus als teilweise gesunde Futteraufwertung verstanden werden, auch wenn möglicherweise darin enthaltene Parasiten und Medikamente nicht dazu beitragen.

Bei exzessivem Kotfressen stellt sich also immer die Frage nach der Darmgesundheit und Ernährung des Hundes. Ist eine der beiden Komponenten nicht optimal, steigt das Bedürfnis nach der beschriebenen Futteraufwertung. Aber auch ohne Darmerkrankungen und bei optimalen Ernährungsversuchen stellen viele Hunde dieses Verhalten nicht ein.

Naschen ist eben nicht nur eine Leidenschaft von uns Menschen. So wird natürlich auch anderer Unrat gerne zur Futteraufwertung herangezogen, je nach den Vorlieben unserer Fellnasen.

In meinen Beratungsstunden entdecke ich allerdings auch immer wieder, dass einige Hunde das Fressen von Unrat als Strategie entdeckt haben, um Stress zu kompensieren. Stress entsteht durch Überforderung oder Unterforderung, also Langeweile, und teilweise einfach dadurch, dass der Halter gestresst ist und der sensible Vierbeiner dies auf sich bezieht. Manchmal entsteht es ganz harmlos als Übersprungshandlung in einem Konflikt. Durch das aufgebrachte Verhalten des Hundehalters wird dieser Konflikt noch grösser und so mancher Vierbeiner flüchtet sich daraufhin immer mehr in dieses Verhalten. Es entsteht ein Teufelskreis, der schwer zu durchbrechen ist. Am Ende stehen oft Leinenpflicht und frustrierte Spaziergänge.

In manchen Fällen kann es auch sein, dass der Vierbeiner dieses Verhalten zeigt, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Aus Langeweile beginnen die Hunde Unrat zu fressen oder nach leckeren Düften zum Wälzen Ausschau zu halten. Die aufgebrachte Reaktion des Halters auf dieses Verhalten bringt Abwechslung in das triste Pflichtprogramm und kann daher höchst belohnend sein.

Häufig findet sich eine Kombination aus verschiedenen Komponenten, die das unerwünschte Verhalten fördern und festigen.

Vom Jäger zum Sammler ‒ Machen Sie auzs der Not eine Tugend

Das Ziel aus Menschensicht ist schnell definiert: Er soll einfach aufhören, sich zu wälzen und Unrat zu fressen. Doch Hand aufs Herz: Würden Sie aufhören zu naschen, nur weil Ihr Partner das von Ihnen wünscht? Sie würden wohl auch einfach dazu übergehen, heimlich zu naschen, um Ihren Partner nicht zu verärgern. So werden auch die Vierbeiner immer kreativer, um in den Genuss zu kommen, statt das Verhalten auf unseren Wunsch hin einzustellen. Die Idee, dass der Vierbeiner irgendwann all die leckeren Duftnoten ignorieren kann, dürfen Sie daher getrost als unwahrscheinlich abhaken.

Es ist aber möglich, dass Ihr Hund lernt, diese mit ihnen «zu teilen». Machen Sie das «Sammeln» von Unrat und Kot zu einer lohnenswerten Aufgabe und verwandeln Sie damit den Frust in Spass. Nicht nur bei Ihrem Hund, auch und besonders bei sich selbst!

Es erfordert etwas Überwindung, doch denken Sie daran: Was für Sie ein ekliger Haufen Dreck ist, ist für Ihren Hund eine duftende Praline. Beginnen Sie damit, Ihren Hund mit besonders hochwertigen Leckereien zu verwöhnen, wenn er mal wieder Unrat frisst oder sich wälzt. Locken Sie ihn nicht weg, belohnen Sie ihn an Ort und Stelle, auch wenn er sein Verhalten damit noch nicht einstellt. Sie nehmen hiermit den Stress aus der Situation und bieten Ihrem Vierbeiner zusätzlich eine gute Alternative. Nach einer Weile wird er, sobald Sie hinzukommen, von seinen Leckereien mehr und mehr aufschauen, in der Erwartung, dass Sie noch was Besseres für ihn haben. Diesen Moment können Sie nun immer mehr herausarbeiten. Wer mit dem Klicker arbeitet, kann diesen hierfür wunderbar einsetzen.

Studieren Sie so zum Beispiel ein Anzeigeverhalten mit Ihrem Hund ein und erarbeiten sich damit ein Mitspracherecht bei den Funden. So können Sie sporadisch entscheiden, ob gefressen oder gewälzt werden darf oder ob auf alternative Belohnungen ausgewichen wird.

Wer ganz sicher gehen möchte, dass der Hund nichts mehr frisst, was ihm schaden könnte, kann das beschriebene Training auch mit einem gut sitzenden Maulkorb unterstützen. Hierfür sollte aber vorher ein Gewöhnungstraining stattfinden, für das Sie sich mindestens zwei Monate Zeit nehmen sollten. Wie das aussehen kann, erfahren Sie im nächsten Erziehungsratgeber.

Hier können Sie den Artikel aus dem Magazin als PDF ansehen

geschrieben von:
Katrin Schuster

Katrin Schuster

Katrin Schuster ist eine erfahrene Tierverhaltenstherapeutin. Seit ihrem 13. Lebensjahr engagiert sich die heute 34-Jährige aktiv für einen «realistischen» Tierschutz. Ihre Methoden beruhen auf ganzheitlichen Ansätzen. Neben der gesundheitlichen Abklärung bei Verhaltensauffälligkeiten liegen ihr die tiergerechte Haltung sowie der respektvolle und faire Umgang zwischen Tier und Mensch am Herzen. Katrin Schuster arbeitet mit Tierpsychologen, Fachtierärzten und Tierheilpraktikern eng zusammen.

2 Kommentare zu “«Auf Augenhöhe mit dem Hund» – Von leckeren Pferdeäpfeln und feinen Duftnoten

  1. michaela

    Finde den Artikel & Ratschläge sehr interessant! Auch wenn sich die alterzogene Michi in mir sich noch einbißchen wehrt! Im Grunde ist’s wie beim Einkaufen mit 3-jährigen Kindern: Wer im Chef-Ton ,,Nein das brauchen wir nicht!“ zischt,hat Verloren! Wer ablenkt & die Kids anderen Artikel suchen lässt… Danke jetzt ist mir ein Licht aufgegangen und hätt Zorro & mir viel Ärger erspart!!!!!

    Antworten
  2. Pascal Kuhn

    wenn wir mal erlich sind tuen wir menschen immer so etepetete. aber wie wurde früher käse hergestellt worin sind bockwürste was ist in bestimten süsigkeiten ( schellack) . solange es keinen krank macht sollte man sich da nicht so anstellen. der hund schlept warscheinlich weniger bakterien und vieren in die heuschen ihrer besitzer die auf menschen einen effekt haben als so manch ein mensch. ich denke eine türklinke oder geld anfassen ist ehr schädlich für einen menschn als einen pferdeapfel anfassen. bei giftigen deos nahrungsmittelzusätzen öl ausdünstungen von kunstoffen und elektronik sagt keiner igit. davon werden tiere pflanzen und menschen aber definitiv krank. außerdem braucht das emunsystem den regelmäßigen kontakt mit bakterien und vieren um zu funktionieren. hat das emunsystem nix zu tun entwickeln sich alergien und man wird öfter krank.

    Antworten

Ihre Meinung interessiert uns – Kommentar schreiben


Name (erforderlich)

Webseite