Auf Augenhöhe mit dem Hund «Sei doch endlich ruhig!»

Von unseren Hunden wird vieles verlangt, was nicht ihrer Verhaltensnorm entspricht. Teilweise steuern die Forderungen sogar gegen die genetischen Anlagen. Um die passenden Erziehungsmassnahmen zu finden, möchte ich Sie anregen, sich in Ihren Hund zu versetzen. Prüfen Sie, welche Vorteile ihm durch sein Verhalten entstehen und was es ihm bringen könnte, stattdessen Ihre Ideen umzusetzen. In dieser Serie erhalten Sie Anregungen, wie Sie das Verhalten Ihres Vierbeiners zu Ihren Gunsten beeinflussen können.

Text: Katrin Schuster

Wölfe bellen anders

Das Bellen von Hunden ist aus verhaltensbiologischer Sicht ein sogenanntes «hypertrophiertes» Verhalten. Wölfe bellen nicht wie Hunde. Ihr Bellen ist viel seltener und differenzierter. Im Laufe der Domestikation hat sich diese differenzierte Lautäusserung zu lautstarkem Bellen gesteigert. Je nach Verwendungszweck wurde sogar explizit auf prägnantes Bellen selektiert, um von der Wachsamkeit der Hunde zu profitieren oder um beim «Jagdgeläut» der Hundemeute die Position des verfolgten Wildes einschätzen zu können. Das Bellen von Hunden ist ganz allgemein gesprochen ein Erregungslaut, der bei jeglicher Form von Aufregung mehr oder weniger stark ausgeprägt ertönt. Je nach Rasse und individueller Veranlagung sind Bellfreude und Klangformen sehr variabel.

Bei bellfreudigen Hunden kann diese Eigenschaft sehr belastend werden. Gerade in Mietwohnungen, aber selbst in der Hundeschule sind regelmässig Halter und Trainer mit der Aufgabe gefordert, den bellenden Hund ruhig zu bekommen. Das Verhalten einfach zu unterbinden ist der erste Impuls, dem wohl jeder Hundehalter erst mal folgen würde. Man möchte nicht auffallen und die Geduld der Nachbarn nicht unnötig strapazieren. Doch wie geht es dem bellenden Hund eigentlich dabei?

Indikator für die emotionale Verfassung

Wenn Hunde bellen, dann drücken sie damit meist ihren Erregungszustand aus. Um welchen Erregungszustand es sich handelt, kann durch geübtes Zuhören erkannt werden. Wird eine vermeintliche Bedrohung verbellt, tönt das Bellen geräuschhaft oder atonal. Das konnte die Biologin Dorit Feddersen Petersen in ihren Akustikstudien mit Haushunden herausfinden. Handelt es sich um freudige Aufregung, klingt das Bellen mehr, es ist dann tonal. Wer seinem Hund beim Bellen genau zuhört, wird den Unterschied bald herausfinden. Aber auch körpersprachliche Hinweise können helfen zu verstehen, wie der Erregungszustand zu deuten ist.

Monotones Dauerbellen kann im Bereich der Stereotypien eingeordnet werden. Es ist ein Indikator dafür, dass der Hund mit einer Situation überfordert ist und keine geeignete Bewältigungsstrategie kennt. Dauerbellen bewirkt, dass das Gehirn trotz fehlender Belohnungsfaktoren mit dem Glückshormon Dopamin geflutet wird und dadurch eine eigentlich unerträgliche Situation halbwegs erträglich gestaltet wird. Diese Form des Bellens wird aufgrund des selbstbelohnenden Faktors zum «Selbstläufer» und kann auch dann auftreten, wenn die Situation sich deutlich verbessert hat.

Lesen Sie den ganzen Artikel von Katrin Schuster im Schweizer Hunde Magazin 8/2015.

geschrieben von:
Katrin Schuster

Katrin Schuster

Katrin Schuster ist eine erfahrene Tierverhaltenstherapeutin. Seit ihrem 13. Lebensjahr engagiert sich die heute 34-Jährige aktiv für einen «realistischen» Tierschutz. Ihre Methoden beruhen auf ganzheitlichen Ansätzen. Neben der gesundheitlichen Abklärung bei Verhaltensauffälligkeiten liegen ihr die tiergerechte Haltung sowie der respektvolle und faire Umgang zwischen Tier und Mensch am Herzen. Katrin Schuster arbeitet mit Tierpsychologen, Fachtierärzten und Tierheilpraktikern eng zusammen.

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