Abbruchsignal: «Das wird nicht funktionieren, versprochen!»

Von unseren Hunden wird vieles verlangt, was nicht ihrer Verhaltensnorm entspricht. Teilweise steuern die Forderungen sogar gegen die genetischen Anlagen. Um die passenden Erziehungsmassnahmen zu finden, möchte ich Sie anregen, sich in Ihren Hund zu versetzen. Prüfen Sie, welche Vorteile ihm durch sein Verhalten entstehen und was es ihm bringen könnte, stattdessen Ihre Ideen umzusetzen. In dieser Serie erhalten Sie Anregungen, wie Sie das Verhalten Ihres Vierbeiners zu Ihren Gunsten beeinflussen können.

Im letzten Artikel konnten Sie von den Hintergründen zur hohen Kunst der Impulskontrolle lesen (siehe unter www.hundemagazin.ch, unter Ratgeber). Sie haben erfahren, wie Sie Ihren Vierbeiner respektvoll anleiten können, um nicht zu viel Impulskontrolle zu verbrauchen und die Absprache mit Ihnen zu fördern. Die Fähigkeit zur Impulskontrolle ist die Grundlage für die Arbeit mit einem Abbruchsignal. Dieses Signal soll am Ende helfen, die Impulskontrolle beim Hund auf Abruf zu aktivieren und dadurch alternative Entscheidungsfindungen in unterschiedlichen Reizlagen zu ermöglichen. Bei einigen Hunden kann ein funktionierendes Abbruchsignal der Schlüssel zum Freilauf sein, da sie bei verlockenden Reizen – mit Einschränkungen – auch ohne Leine zuverlässig gebremst und umgelenkt werden können.

Das Abbruchsignal darf aber nicht einfach als Verbot verstanden werden, denn Verbote werden in der Regel gerne umgangen. Im Gegenteil, dieses Signal soll dem Hund helfen, eine Entscheidung zu treffen, die ihm mehr Vorteile als Nachteile bringt und die auch unserem Wunsch entspricht. Nur so ist es möglich, eine stabile Strategieänderung zu erreichen, die nicht bei der nächsten Gelegenheit über Bord geworfen wird. Deutlich wird das, wenn Sie versuchen sich in Ihren Hund hineinzuversetzen und überlegen, welche Entscheidung Sie wohl an seiner Stelle treffen würden und warum.

Richtig und falsch aus biologischer Sicht

Jedes Verhalten, das ein Hund zeigt, scheint für ihn in dem Moment «biologisch richtig» zu sein, das heisst sein Überlebensprogramm gibt ihm vor, dass er mit dem gewählten Verhalten bessere Überlebenschancen hat, als wenn er ein anderes Verhalten zeigen würde.

Wurde der Rückruf des Hundes mit lohnenswerten Reizen aufgebaut, hat er möglicherweise gelernt, dass es durchaus «biologisch richtig» sein kann, zum Halter zurückzukehren, um sich die versprochene Belohnung abzuholen. Erfährt der Vierbeiner dagegen direkt nach der Belohnung regelmässig eine länger anhaltende Bewegungseinschränkung, überwiegt der Nachteil den Vorteil der Belohnung. Es ist also biologisch richtig, den Rückruf häufiger zu ignorieren und noch länger auf Erkundungstouren zu gehen.

Ähnlich und noch deutlicher verhält es sich, wenn der Vierbeiner in genau dem Moment zurückgerufen wird, in dem sein Überlebensprogramm schon ein ganz anderes Verhalten auslöst, zum Beispiel wenn ein verlockender Beutereiz auftritt. Keine noch so ausgeklügelte Belohnungsstrategie vom Halter kann einen jagdambitionierten Hund davon überzeugen, dass das eigene Angebot lohnenswerter ist als der Beutereiz. Dazu müsste der Halter schon ein lebendes Kaninchen aus der Tasche zaubern können. Auf den Rückruf des Halters zu reagieren ist also biologisch falsch, wenn zur gleichen Zeit ein Beutereiz auftaucht, der verfolgt werden kann. (…)

Den vollständigen Artikel finden Sie im SHM 6/17.

geschrieben von:
Katrin Schuster

Katrin Schuster

Katrin Schuster ist eine erfahrene Tierverhaltenstherapeutin. Seit ihrem 13. Lebensjahr engagiert sich die heute 34-Jährige aktiv für einen «realistischen» Tierschutz. Ihre Methoden beruhen auf ganzheitlichen Ansätzen. Neben der gesundheitlichen Abklärung bei Verhaltensauffälligkeiten liegen ihr die tiergerechte Haltung sowie der respektvolle und faire Umgang zwischen Tier und Mensch am Herzen. Katrin Schuster arbeitet mit Tierpsychologen, Fachtierärzten und Tierheilpraktikern eng zusammen.

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